London. Vor dem Parlament in London, vor dem Brandenburger Tor in Berlin, vor dem Kolosseum in Rom und am Eiffelturm in Paris haben sich am Sonntag mehrere hundert Menschen geküsst - und damit für den Verbleib Großbritanniens in der EU geworben. Die Teilnehmer sandten eine "Herzensbotschaft" an die Briten: "Lasst uns zusammenbleiben!", erklärte der Veranstalter, die Nichtregierungsorganisation Avaaz.

An der Kuss-Kette beteiligten sich den Angaben zufolge europaweit insgesamt fast 800 Menschen - in Berlin etwa waren es rund 200. Sie hätten mit ihren Küssen und Umarmungen ein Zeichen für Zusammenhalt an Großbritannien senden wollen, "um die Stimmen derer zu übertönen, die Hass und Spaltung propagieren".

Mit der Aktion würdigten die Teilnehmer laut Avaaz außerdem die ermordete britische Abgeordnete Jo Cox. Die Mutter zweiter Kinder sei eine engagierte Verfechterin der europäischen Einheit gewesen.

UKIP-Chef Nigel Farage: Mord an Cox hat Brexit-Kampagne geschadet
Nach Auffassung von Nigel Farage hat die Brexit-Kampagne durch den Mord an der britischen Labour-Politikerin Jo Cox an Dynamik eingebüßt. Das sagte der Chef der euroskeptischen Ukip-Partei am Sonntag in einer Talkshow des Fernsehsenders ITV.

Jüngsten Erhebungen zufolge liegen die Gegner eines Brexits wieder leicht im Vorteil. Grund sei die mehrtägige Wahlkampf-Pause nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox, sagte Farage. "Wir hatten eine Dynamik entwickelt, bevor es zu dieser furchtbaren Tragödie kam", sagte der 52-Jährige. Experten des Meinungsforschungsinstituts YouGov meinten jedoch, der Stimmungsumschwung sei der wachsenden Sorge vor wirtschaftlichen Konsequenzen eines Brexit geschuldet.

Farage geriet wegen eines Wahlplakats seiner Partei weiter in die Kritik. Auf dem Plakat waren lange Schlangen von Flüchtlingen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise an der österreichischen Grenze zu sehen. Überschrieben war das Plakat mit "Breaking Point, the EU has failed us all" - Die Grenze der Belastbarkeit, die EU hat uns alle enttäuscht. Kritiker warfen Farage Rassismus vor. Der britische Finanzminister George Osborne sagte, das Plakat erinnere an "extremistische Literatur aus den 30er-Jahren". Selbst der Chef der offiziellen Brexit-Kampagne, Michael Gove, sagte am Sonntag, er sei angesichts des Plakats "erschaudert".