Als Großbritannien am Freitag erwachte, war die Bahn für einen
EU-Austritt geebnet. 17 Millionen Wähler, 52 Prozent unterstützen das
Leave-Lager. Die Umfragen, die Märkte - alle lagen falsch. Die
Überraschung ist vielen Londonern ins Gesicht geschrieben,
manche haben noch nicht realisiert, was passiert ist. Überall
ungläubige Gesichter. Andere kalmieren. Drei Jugendliche, die im
Londoner Stadtteil Islington schon früh auf den Beinen sind, geben sich
gleichgültig: "Das Leben ist zu kurz und viel zu schön für
Politik", sagt einer. "Drinnen oder draußen, ich weiß nicht, wie mich
das persönlich trifft." Eine andere Gruppe verschlafener Jugendlicher
hat noch gar nicht realisert, was passiert ist. "Politik ist
langweilig", sagt eine. Aber das UK wird aus der EU austreten!
"Was? Verdammt! Wie kann das sein, reagiert die junge Dame aufgebracht.
"Ds ist nicht lustig!"

Der Hotel-Rezeptionist ist um Beruhigung bemüht: "Das wird
alles nicht so heiß gegessen, wie gekocht", sagt er. Bis das UK wirklich
austritt, dauert es zehn Jahre. Aber eines ist klar: Die Leute, die
Geschäfte mit dem Ausland machen, auf die kommt
jetzt eine harte Zeit zu." Auf der Kings Cross Road in Islingon warten
zwei junge Männer in Arbeitskluft auf ihren Bus. Sie sind mit dem
Referendum-Ergebnis sehr zufrieden. "Alle die ungelernten Ausländer, die
nur das Sozialsystem belasten, werden jetzt abgeschoben",
sagt einer. "Die, die wir brauchen und die hart arbeiten, die sollen
bleiben".

Ein Belgier zieht einen Trolley hinter sich her, er ist auf dem
Weg zum Zug und "sehr besorgt", was die Zukunft Europas betrifft. Ein
älterer Mann, der bereits in Pension ist und seinen Hund ausführt, hat
am Vortag für "Remain" gestimmt. Er macht
sich jetzt Sorgen um Nordirland. "Dort wird jetzt die Grenze wieder
hochgezogen, ich fürchte, es wird wieder Gewalt geben", sagt er.