London. (sir) Jedes Jahr erlöst die Premier League rund 2,3 Milliarden Euro, sie ist die mit Abstand am meisten gesehene Fußballliga der Welt. Rund 600 Milionen Euro davon betragen allein die Auslandsrechte, sie bringen der englischen Liga damit mehr Geld ein, als die deutsche Bundesliga insgesamt pro Jahr erlöst hat. Bisher.

Denn das Verhältnis könnte sich durch den EU-Austritt Großbritanniens auf Sicht verringern. Schon kurz vor der EM hat die Bundesliga mit dem neuen TV-Vertrag die Milliarden-Euro-Grenze durchbrochen, womit sie nun die Liga mit dem zweitgrößten Erlös aus der Veräußerung der TV-Rechte ist. So schnell wird sich zwar auch durch den Brexit nicht alles verändern, dennoch zeigt ein Blick auf die Kader der Premier-League-Klubs, welche längerfristigen Auswirkungen dieser Schritt der Briten hat.

Aktuell sind von 595 Profis in der englischen Liga nur 388 für die englische Nationalmannschaft spielberechtigt, unter den Begriff Legionäre fallen in der Premier League eben auch Waliser, Schotten und Nordiren. Für Iren gab es immer schon Sonderregeln, für Spieler aus dem EU-Ausland sind mit dem Bosman-Urteil 1995 jegliche Beschränkungen gefallen. Erst dadurch ist die Premier League über die Jahre zur wohl stärksten und finanzkräftigsten Liga aufgestiegen.

Der Traum vom Inselkick

Spieler aus dem Nicht-EU-Ausland waren bisher speziellen Restriktionen unterworfen, wenn sie auf der Insel eine Arbeitserlaubnis erhalten wollten. Nach dem vollzogenen EU-Austritt wird dies in Zukunft auch für Spieler vom europäischen Kontinent gelten, auch für österreichische Fußballer. Es gilt zwar als höchst unwahrscheinlich, dass in bereits erteilte Arbeitsgenemigungen eingegriffen wird, der Traum vom Inselkick rückt für viele Spieler aber nun ein großes Stück weg.

Aktuell sind 16 heimsche Fußballer in England aktiv, darunter auch Nachwuchsspieler sowie die vier Teamkicker Marko Arnautovic, Christian Fuchs, Sebastian Prödl und Kevin Wimmer. Letzterer würde nach jetziger Regelung keine Arbeitserlaubnis erhalten, da diese bei Nicht-EU-Ausländern nur Stammspieler in ihren Nationalteams erhalten. Karren Brady, Vizechefin des Klubs West Ham, schätzt, dass zwei Drittel aller EU-Spieler in der Premier League nach derzeitigem Stand die Kritierien nicht erfüllen würden.

Es ist möglich, dass die Politik die Kriterien für Arbeitsgenehmigungen anpassen wird, was aber nicht so einfach ist, da eine Aufweichung auch Auswirkungen auf andere Bereiche jenseits des Fußballs hätte. Die ganz großen Stars der Szene wird das zwar ohnehin nicht treffen, die Frage ist jedoch, ob sie für die Klubs noch bezahlbar wären, wenn die Liga an Qualität und damit auch an Marktkraft verlieren sollte.