London. Die Stimmung bei den Unternehmen in Großbritannien hat sich nach dem Brexit-Votum massiv verschlechtert. Bei der jüngsten Umfrage der Forschungsinstitute YouGov und Centre for Economics and Business Research (CEBR) gaben 49 Prozent der Firmen an, den allgemeinen wirtschaftlichen Ausblick für die nächsten zwölf Monate pessimistisch zu betrachten.

Vor dem Referendum waren nur 25 Prozent dieser Ansicht. Insgesamt wurden 1.000 britische Unternehmen befragt. Die Ergebnisse wurden am Dienstag vorgestellt. 26 Prozent sahen für ihre eigenen Geschäftsaussichten schwarz nach 16 Prozent vor der Volksabstimmung. Beim Referendum am 23. Juni hatten 52 Prozent der Briten für den EU-Ausstieg votiert.

EU-Einheitspatent gefährdet

Mit dem Brexit steht auch das lange geplante EU-Einheitspatent auf der Kippe. Die europäische Wirtschaft erhofft sich von ihm einen deutlich einfacheren und kostengünstigeren Schutz ihrer Erfindungen. Aber mit dem geplanten Start Anfang 2017 dürfte es wohl nichts werden, sagen Experten: Nach dem Austrittsvotum der Briten gibt es zu viele offene Fragen.

"Der Brexit könnte das Ende für das europäische Einheitspatentsystem bedeuten", warnt der Münchner Patentjuristen-Verein IPDR. Ohne England könnte das EU-Patent für die Unternehmen uninteressant werden. Beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) heißt es, am besten würde Großbritannien das Patentabkommen rasch ratifizieren. "Die Industrie wartet darauf."

Komplizierte Zusatzverträge vonnöten

Damit ein EU-Patent auch nach dem Brexit in Großbritannien gilt, braucht es wahrscheinlich komplizierte Zusatzverträge. Außerdem ist fraglich, ob Urteile Londoner Patentrichter auch in der EU gelten. Nach einem Brexit könnte Italien die Ratifizierung auf Eis legen und Forderungen stellen - zum Beispiel eine Gerichtskammer in Mailand statt in London. Experten sehen die Politik am Zug. "Wie man damit umgeht, ist Sache der Austrittsverhandlungen", heißt es im deutschen Justizministerium.