Straßburg. Die Brexit-Debatte im EU-Parlament in Straßburg hat sich am Mittwoch von Verzweiflung über Realismus bis zu Hoffnung bewegt. Der französische EVP-Abgeordnete Alain Lamassoure meinte, der Brexit sei keine glückliche Entscheidung. Aber das Verfahren könne gut laufen, wenn mit Fairplay vorgegangen werde. London sollte aber nicht versuchen, die EU zu schwächen, weil es die Union verlasse.

Der deutsche Sozialdemokrat Jens Geyer merkte an, es sei erstaunlich, wie "beleidigt britische Kollegen vor allem von rechts" reagierten. Er habe "höchstens bemerkt, wie erschrocken und unvorbereitet und verantwortungslos britische Politiker im Brexit-Lager" agierten und "nicht bereit sind, der britischen Bevölkerung die Wahrheit zu sagen".

 "Die Diplomatie mit der Flüstertüte"

Der nordirische ECR-Abgeordnete James Nicholson sagte, er wolle sich nichts vormachen, der Brexit werde ein schweres Unterfangen. Problematisch findet der Brite, dass hier "die Diplomatie mit der Flüstertüte" vorgehe. Es seien besonnene realistische Gespräche notwendig.

Der ungarische Sozialdemokrat Peter Niedermüller erklärte, der Brexit sei "eigentlich der Sieg des Populismus und der Demagogie" gewesen. Es sei zu einer großen Irreführung der britischen Bürger gekommen. Nunmehr gehe es darum, die Spaltung zu überwinden. "Wenn man nach wie vor Feinde sucht, werden die Wunden nie heilen."

Die deutsche Sozialdemokratin Birgit Sippel erinnerte die Briten daran, dass sie aus der EU ausscheiden wollten. "Ihr seid raus - aus dem Binnenmarkt und raus aus Forschungsprojekten und raus aus der gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus." Natürlich könne man einen Vertrag kündigen, doch müssten die eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllt werden. Die britische Premierministerin Theresa May sollte "mit der negativen Legendenbildung aufhören. Schenken Sie ihren Bürgern reinen Wein ein, nur so kann ein Neustart gelingen."

Der deutsche EVP-Mandatar Elmar Brok berichtete von "Verzweiflung" bei nordirischen Bürgern. "Je mehr sie über die Konsequenzen nachdenken, umso mehr hoffe ich, dass ein Stück Realismus in London nach den Wahlen einkehrt." Der Schaden für beide Seiten sollte unter Kontrolle gehalten und nationale Sichtweisen sollten nicht aufgeblasen werden.