Paris. Frankreich trifft Vorkehrungen für den Fall, dass Großbritannien die Europäische Union ohne Austrittsabkommen verlässt. Die Pariser Regierung bittet das Parlament dazu um eine Vollmacht, um wichtige Themen wie mögliche Zollkontrollen über Verordnungen regeln zu können.

Eine gute Austrittsvereinbarung sei möglich, sagte die französische Europaministerin Nathalie Loiseau. "Trotzdem müssen wir uns auf alle Szenarien vorbereiten."

Der am Mittwoch vorgelegte Gesetzesentwurf soll die Grundlage dafür schaffen, dass die französische Regierung im Fall der Fälle reagieren kann. Loiseau sagte, dass beispielsweise neue Infrastruktur für Zollkontrollen geschaffen werden müsste. Frankreich habe bereits mit dem Rekrutieren zusätzlicher Zöllner begonnen.

Zudem strebt Paris nach ihren Angaben eine bilaterale Regelung mit London an, damit französische Bürger in Großbritannien und Briten in Frankreich nicht plötzlich in der Illegalität leben. Auch die Eurostar-Züge dürften ohne eine gesetzliche Grundlage künftig nicht mehr durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal verkehren.

Ein Mitarbeiter der Regierung verglich die möglichen Probleme durch einen ungeregelten Brexit mit einem "Berg im Himalaya". Das französische Parlament soll sich nach Angaben Loiseaus ab November mit der Vorlage befassen.

Auf EU-Ebene hatten die ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten vergangene Woche ebenfalls darüber beraten, welche Vorsorge für den Fall eines ungeregelten Brexit im März 2019 getroffen werden müsste. Großbritannien und die EU sind bei wichtigen Punkten des eigentlich angestrebten Austrittsvertrags noch weit voneinander entfernt. Die EU-Staaten hatten britischen Brexit-Vorschlägen bei ihrem jüngsten Gipfeltreffen in Salzburg eine Absage erteilt.