Straßenszene in Brüssel. - © reuters/Toby Melville
Straßenszene in Brüssel. - © reuters/Toby Melville

Brüssel. Dramatische Begriffe sind bei EU-Gipfeln nicht unpassend. Es hat auch etwas Szenisches: Im EU-Viertel in Brüssel wird die Bühne für das Zusammentreffen der Spitzenakteure aufgebaut, es gibt Wortgeplänkel und -gefechte, größere und kleinere Auftritte, und einige Figuren stehen mehr im Scheinwerferlicht als andere. So manche unerwartete Wendung kann auftreten, umgekehrt können erwartete Entscheidungen ausbleiben. Ein Theaterdonner auf den anderen kann folgen; und dass sich das Spektakel länger als ursprünglich angesetzt hinzieht, kommt immer wieder vor.

Einen Blick auf die Vorbereitungen für die regelmäßigen Spitzentreffen konnten Journalisten gestern, Mittwoch, werfen. Vor dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs, der mit einem Abendessen startete, flimmerte ein Film über die große Leinwand in der Vorhalle des Justus-Lipsius-Gebäudes auf dem Schuman-Platz, in der Tische für hunderte Medienvertreter aufgestellt worden waren. Zu sehen waren Bilder von Reinigungskräften, die den roten Teppich am Ankunftsort der Politiker saugen; von Sicherheitsbeamten, die mit Hunden eine letzte Runde durch die Räumlichkeiten drehen; von Technikern, die Kabel für die Liveübertragung der Presseauftritte verlegen; von Dolmetscherinnen, die die Wortmeldungen der Premiers und Präsidenten übersetzen.

Aber auch EU-Ratspräsident Donald Tusk, der die Sitzungen leitet, hatte seinen Auftritt - ebenso wie der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel, der die Fahrt zum Gipfel aus einer Limousine heraus kommentiert, die von Fahrzeugen mit Blaulicht begleitet wird. Gut gelaunte Regierungschefs, die einander auf die Schultern klopfen, rundeten das Bild ab.

Das tatsächliche Schauspiel geht aber hinter dem Vorhang über die Bühne. Wenn die Politiker angekommen sind, ihre kurzen Wortmeldungen vor den Journalisten absolviert, im Sitzungssaal einander begrüßt und dann Platz genommen haben, müssen die Kameraleute den Raum verlassen. Die Aussprache beginnt.

Beim aktuellen Gipfel, der heute, Donnerstag, fortgesetzt wird, war die Dramaturgie auch nicht anders. Es war auch nicht neu, dass eine Teilnehmerin die Sitzung früher verließ. Die britische Premierministerin Theresa May war eingeladen, die Position Londons zu den Brexit-Verhandlungen zu präsentieren. Doch danach wollten die anderen 27 Staats- und Regierungschefs - wie schon mehrmals zuvor - nur untereinander über den Stand der Gespräche über den EU-Austritt Großbritanniens beraten.

Irische Grenzfrage

Dass diese festgefahren sind, war seit dem Wochenende klar. Und May präsentierte am Mittwoch auch nicht viele neue Vorschläge, die einen Ausweg geboten hätten. Der Zwist schwelt vor allem rund um die Frage, wie eine sichtbare Grenze mit Schlagbäumen und Beamten auf der irischen Insel vermieden werden kann. Im Gespräch ist ein Absicherungsmechanismus, der als "Backstop" bezeichnet wird - was übrigens ein Begriff aus dem Baseball ist.