Der Wahlkampf um die deutsche Bundestagswahl am 26. September ist für die Union alles andere als gelaufen. In den fünf Monaten bis dahin kann aus vermeintlichen Siegern noch ein begossener Pudel am Wahlabend werden – und umgekehrt. Das gilt noch immer auch für die Union, egal, mit welchem Kanzlerkandidaten CDU und CSU schließlich in die Wahl gehen.

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Walter Hämmerle ist Chefredakteur der "Wiener Zeitung".

Doch der Schaden für die beiden Bewerber um die Spitzenposition, Armin Laschet und Markus Söder, Vorsitzende von CDU und CSU sowie Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Bayern, ist angerichtet – und erheblich. Welches Drehbuch auch immer sich die beiden Alphatiere ausgeschnapst haben, um die Entscheidung herbeizuführen, dieses ist längst Makulatur. Wer jetzt als Kanzlerkandidat ins Rennen geht, ist in der eigenen Partei wie in den Augen vieler Wähler schwer beschädigt.

Dieses Szenario war von vornherein im Bereich des Möglichen. Umso verwunderlicher ist es, dass sich CDU und CSU nicht längst auf ein geordnetes Verfahren zur Kandidatenkür verständigt haben; zumal es ja auch nicht das erste Mal ist, dass die K-Frage zwischen den Unionsparteien umkämpft ist. Es ist stets ein Versäumnis der Altvorderen, wenn sie den Nachfolgern kein geordnetes Verfahren hinterlassen, die familieninterne Konkurrenz in produktive Bahnen zu lenken, sondern ihrer destruktiven Energie freien Raum zur Entfaltung zu bieten.

Markus Söder, der Bayer, beruft sich bei seinem Anspruch auf die Nummer eins auf seine deutlich besseren Umfragewerte bei Wählern und konservativen Basis. Doch indem er sein Wort gebrochen hat, dass er nur nach der Unionskrone greifen werde, wenn er auch von der CDU gerufen werde, reißt er tiefe Gräben auf. Selbst wenn er nun doch noch die Nominierung erringen sollte, wartet die Begleichung zahlreicher offener Rechnungen auf ihn.

Der letzte Rest von Rationalität in diesem irrationalen Duell wäre nun, dass Laschet dennoch als Kanzlerkandidat in die Wahl geht. Der Chef der kleineren Partei sollte nicht der größeren seinen Willen oktroyieren. Nicht, weil Laschet im Zweifel der bessere Kandidat wäre, sondern weil auf diese Weise der angerichtete Schaden für die Union am ehesten in Grenzen gehalten werden könnte; zumindest, wenn Söder daran noch ein Interesse haben sollte. Und für die Zukunft ist der Union zu raten, sich ein festes Verfahren für die K-Frage zu geben.