In einem äußerst technisch-rechtlichen Vortrag führt anschließend Otto Dietrich, der Rechtsanwalt von Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics dann noch aus, warum Hohenecker nicht für das Buwog-Verfahren zuständig ist. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat erst am Montag rechtliche Bedenken hinsichtlich der Zuständigkeitsverteilung im Buwog-Verfahren ausgeräumt.

Dietrich ist mit dieser OGH-Entscheidung unzufrieden. Mit langsamer und monotoner Stimme zitiert er strafprozessrechtliche Gesetzesbestimmungen, wonach die Zuständigkeitsverteilung falsch sei. Einige Schöffen steigen bei seinen Ausführungen aus. Gedankenverloren blicken sie im Saal herum, manch einer versenkt die Hände im Gesicht und schaut zu Boden. Ein Umstand, der auch Dietrich auffällt. "Als Rechtsanwalt muss ich das so genau machen, weil der OGH sehr hohe Anforderungen an die Antragsformulierung stellt", sagt er.

Auch Oberstaatsanwalt Alexander Marchart wendet sich danach an die Schöffen: "Ich hoffe, Sie sind gedanklich noch bei uns." Der Ankläger hält sich kurz. Den Anträgen der Verteidiger sei nicht Folge zu geben. Der Präsident des Wiener Straflandesgerichts habe bereits festgestellt, dass Hohenecker nicht befangen sei.

Gut zwei Stunden berät der Schöffensenat - er besteht aus Hohenecker, einem beisitzenden Richter und zwei Schöffen - über die Ablehnungsanträge. Er lehnt die Anträge ab. "Es entspricht nicht dem Zeitgeist, einer Richterin die Meinung des Ehemanns kritiklos umhängen zu wollen", begründet Hohenecker den Beschluss. Als Richterin sei man "unabhängig und parteilos" und habe aufgrund der Gesetze, des Akteninhalts und eines fairen und objektiven Beweisverfahrens zu urteilen, so Hohenecker.

Ganz geklärt könnte die Causa damit noch nicht sein. Wie Michael Rohregger, der Anwalt von Ex-Immobilienmakler Ernst Karl Plech, in seinem Antrag andeutet, könnte sich in ein paar Jahren der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit der angeblichen Befangenheit Hoheneckers befassen. Dessen Judikatur zu Befangenheitsfragen sei äußerst streng, meint Hochegger.

Am Nachmittag geht die Antragsflut der Verteidiger weiter. Ihrem Wunsch, die Sitzordnung zu ändern, wird nicht stattgegeben. Ainedters Antrag, wonach der Journalist Ashwien Sankholkar von der Teilnahme an der Hauptverhandlung ausgeschlossen werden soll, geht hingegen durch. Der Journalist hatte mehrere Enthüllungsartikel zur Buwog-Causa verfasst und soll in der Verhandlung noch als Zeuge befragt werden.

"Kein Auto, kein Haus"

Zumindest einen kurzen Auftritt hatte Grasser am Dienstag aber dann doch. Zu Beginn wurde er - so wie die anderen dreizehn Angeklagten - von Hohenecker zu seinen Personalien befragt. Zu seinem Netto-Einkommen wollte der Ex-Minister zwar nichts sagen. Allerdings gab er an, "kein Auto, kein Haus und keinen Arbeitgeber" zu haben.

Die Hauptverhandlung wird heute, Mittwoch, am Vormittag fortgesetzt. Sollten keine weiteren Anträge gestellt werden, können die Staatsanwälte und danach die Verteidiger mit ihren Eröffnungsplädoyers beginnen.