Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (erst FPÖ, dann ÖVP) und andere stand heute wieder einmal der zweitangeklagte ehemalige FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger im Mittelpunkt. Er berief sich auf sein schlechtes Gedächtnis, korrigierte frühere Aussagen und brachte wenig Licht in die Fragen um drei Liechtensteiner Konten mit 7,7 Millionen Euro aus der Provision des Buwog-Verkaufs.

Auf Fragen der Richterin Marion Hohenecker zum Liechtensteiner Konto "Karin", fand er nur mehr "Fetzen an Erinnerung". Meischberger will der Einzahler und wirtschaftlich Berechtigte des Liechtensteiner Kontos sein, zeichnungsberechtigt war er aber nicht. Er habe aber handschriftlich das Pseudonym "Karin" am Kontoformular eingetragen. Kontoinhaber war jedoch der Mitangeklagte Immobilienmakler Ernst Karl Plech, der wegen einer schweren Erkrankung seit Wochen nicht mehr am Verfahren teilnehmen kann. Laut Justizkreisen wird er wohl aus dem Verfahren ausscheiden. Neben Plech waren auch noch dessen Frau und Sohn zeichnungsberechtigt.

Dass er nicht einmal direkten Zugriff auf sein eigenes, millionenschweres Konto hatte, sondern andere, erklärte Meischberger heute mit seinem freundschaftlichen Verhältnis zu Plech sowie dessen Geschick bei der Veranlagung in Immobilien. Da hätte er sich null eingemischt. Warum die Frau von Plech sogar nach der Auflösung eines anderen Liechtensteiner Kontos im Besitz der Familie Plech das Geld davon an das Konto "Karin" überwies, obwohl das Geld darauf ja nur Meischberger gehört haben soll, erklärte Meischberger heute damit, dass es sich lediglich um gut 200 Euro gehandelt habe. Er habe sich das Konto, auf dem ein 2,5 Mio. Euro schwerer Provisionsanteil aus der Buwog-Privatisierung lag, auch nie angeschaut, das mache er hier im Gerichtssaal zum ersten Mal.

Die Auszahlung von hohen Summen in bar in einem Wiener Hotelzimmer sieht Meischberger als selbstverständlich an. Laut seiner Darstellung habe dort sein Bankbetreuer von der Hypo Investmentbank Geldbeträge an ihn und andere Kunden in Kuverts ausgegeben. Dass es teilweise gleichzeitige Abhebungen vom Konto "Natalie" (später Nati) und vom Konto "Walter" 400.815 gegeben habe, erklärte Meischberger damit, dass er die Auszahlungen nicht alle vom Konto "Natalie" machen wollte. Laut Anklage ist das Konto 400.815 das Konto von Grasser.

Vertrauen beim Konto, Misstrauen beim Motorboot