Wien/Linz. Am 36. Tag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere stand heute das Verhältnis des ehemaligen Ministers zu seinem mitangeklagten Trauzeugen Walter Meischberger im Zentrum. Dieser schilderte an seinem siebenten Vernehmungstag durch Richterin Marion Hohenecker, wie er sich über die zahlreichen Interviews Grassers nach Auffliegen der Buwog-Affäre ärgerte.

Insbesondere die Gespräche mit dem "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner brachten Meischbergers Blut in Wallung, denn zu diesem habe er ein denkbar schlechtes Verhältnis gehabt, was sich auch in zahlreichen, von ihm (Meischberger) angestrengten Medienverfahren niederschlug. Grasser habe versucht, sich auf seine - Meischbergers - Kosten herauszureden und "die xte Unschuldsbeteuerung, die deswegen nicht glaubhafter wird" abgegeben. "Ich habe gute Lust, ihm meine Freundschaft wirklich aufzukündigen. Ich glaube aber, er steht ziemlich unter Druck. Vor allem familiär. Bis heute ist er im Gegensatz zu seinen Aussagen in unserer Bürogemeinschaft. Schluss damit!", heißt es etwa in einem Eintrag in Meischbergers Tagebuch im Herbst 2009.

Dabei hatte der ehemalige FPÖ-Generalsekretär zu Beginn der medialen Berichterstattung über die 9,6 Mio. Euro schwere Buwog-Provision noch geglaubt, dass die ganze Angelegenheit in drei Wochen erledigt sein werde. Letztendlich dauerte es knapp zehn Jahre, bis nun die Causa in einem Strafprozess aufgearbeitet wird. Ein Angeklagter meinte heute zur APA, er rechne damit, dass das Verfahren noch bis in den Herbst des kommenden Jahres, also 2019, dauern werde.

"Chinesische Mauer" für Grasser

Zu Beginn des heutigen Verhandlungstages im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts beschrieb Meischberger, wie sich nach Bekanntwerden der Provision das Verhältnis zu Grasser abkühlte, zu einem Bruch der engen Freundschaft sei es aber nicht gekommen. Auf die Frage der Richterin, ob Grasser wusste, dass er für das Käuferkonsortium Immofinanz/Raiffeisen bei der Buwog tätig war, meinte Meischberger, er habe hier zwischen diesem Auftrag bei der Buwog und seiner strategischen Kommunikationsberatung für Grasser eine "chinesische Mauer" eingezogen.

Es sei auch falsch zu glauben, dass er ständig bei Grasser, war um Informationen zu beschaffen - dies laufe im Parlament anders. Ein sehr beliebtes Mittel für Lobbyisten, um an Informationen zu kommen, sei die parlamentarische Anfrage gewesen, sprich das Zugehen auf bereichszuständige Parlamentarier mit der Bitte, doch ihre Funktion zur Infobeschaffung zu nutzen, erklärte der ehemalige Spitzenpolitiker.