Einmal mehr betonte Meischberger, dass er nie etwas strafrechtlich Relevantes gemacht hätte. Alles sei zum Wohl der Republik erfolgt. Dies sei auch Grasser immer wichtig gewesen - neben der Pflege seines Images. "Das sind ja alles anständige Menschen, diese Politiker", so Meischberger.

"großzügig" im Sinne von "tolerant"

Zumindest einen ehemaligen Parteikollegen bei den Freiheitlichen dürfte Meischberger nicht gemeint haben - diesen bedachte er in seinem Tagebuch mit den Worten "NPD-Mann" und "Alkoholiker", was für allgemeine Erheiterung im Gerichtssaal sorgte.

Auffallend ist, dass Grasser zwar laut Meischberger mit der ganzen Anklage nichts zu tun hat, aber doch bei mehreren Treffen nach Auffliegen der Causa Buwog dabei war. Dies hatte Meischberger in seinem Tagebuch notiert.

Demnach habe Grasser bei einem abendlichen Treffen die Gelder, die an Meischberger und den mitangeklagten Immobilienmakler Ernst Karl Plech geflossen sind, immer wieder angesprochen, sich aber "großzügig" gezeigt, schreibt Meischberger in seinem Tagebuch. Daraufhin wollte Richterin Marion Hohenecker wissen, wobei sich Grasser großzügig gezeigt habe. Meischberger wich etwas aus und meinte, er habe Angst gehabt, dass sein Freund Grasser auf ihn böse sei, wenn er merke, welche Summen da als Provisionen zusammengekommen seien - aber das sei nicht der Fall gewesen. Nach einer Pause ergänzte er, er habe "großzügig" im Sinne von "tolerant" gemeint.

Einen Einblick in seine Gefühlslage, als das "mediale Trommelfeuer" losging, gab Meischberger heute auch noch. An einem kalten trüben Tag habe er obendrein auch noch sein Geldbörserl verloren. Eine ältere Dame habe es aber gefunden und ihn ausfindig gemacht und zugeschickt. Er sei von dieser "Menschlichkeit und Ehrlichkeit überwältigt gewesen".

Nahezu überwältigt war er in den Tagen des Auffliegens der Buwog-Provision auch vom Arbeitsaufwand, all die Rechnungen rund um seine Immobilieninvestments zu finden. Wobei er oft nicht mehr gewusst habe, wo die Verträge liegen oder ob er sie schon vernichtet hatte.

Die Investments betrafen unter anderem eine Wohnung im australischen Brisbane, wo er 300.000 Euro investierte und die ihm zu 3/4 und seinem Freund Plech zu 1/4 gehört haben soll. Plech ist seit Wochen aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsunfähig. Ob er überhaupt noch an dem Prozess teilnehmen wird, ist offen.

Die Hauptverhandlung wird morgen um 9:30 Uhr mit der weiteren Befragung von Meischberger fortgesetzt.