PR-mäßig könnte der Buwog-Prozess für weitere Überraschungen sorgen - und vielleicht wird auch noch so manche offene Frage beantwortet. Unklar ist etwa, wer Meischbergers Homepage finanziert. Meischberger bezahle die Seite nicht, stellte die PR-Agentur gegenüber dem "Standard" klar. Meischberger wird im Prozess von der Republik ein Verfahrenshelfer zur Verfügung gestellt, er selbst ist nach eigenen Angaben mittellos. Seit ihrem Start vor einigen Wochen hat die Website laut eigenen Angaben 7800 Besucher verzeichnet. Ob das nun ein Erfolg ist oder nicht: Das ist wohl wieder eine Deutungssache.

Die Geschichte der Litigation-PR

Während die Litigation-PR hierzulande erst in den vergangenen Jahren aufgeblüht ist, gehört sie im angloamerikanischen Rechtsraum längst zum kleinen Prozess-Einmaleins. In den USA wurde sie in den 1980er und 1990er Jahren groß. In dieser Zeit wurden Prozesse zu gigantischen Medienereignissen, vor allem der Mordprozess gegen O. J. Simpson, der vielfach als "Verfahren des Jahrhunderts" tituliert wurde. Mit dem steigenden Medieninteresse wurde auch die Lobbying- und Öffentlichkeitsarbeit der Prozessparteien wichtiger.

Es dauerte einige Zeit, bis diese auch im deutschsprachigen Raum Fuß fassen konnte. Als das Beispiel für Litigation-PR gilt in Deutschland der Prozess gegen Jörg Kachelmann, dem vorgeworfen wurde, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Journalisten und Intellektuelle stellten sich auf die eine oder andere Seite, Prozessbeteiligte fütterten ihnen gewogene Berichterstatter gezielt mit Informationen. Letztlich wurde Kachelmann freigesprochen.

In Österreich startete die Litigation-PR dank medienträchtiger Verfahren wie dem Telekom-Prozess und der Causa Rachat Alijew durch.