Führende Kader des BfJ mussten sich 2008 nach dem NS-Verbotsgesetz vor Gericht verantworten und wurden schließlich freigesprochen, der BfJ löste sich in der Folge als Organisation auf. Die Netzwerke bestehen aber weiter, einige der Kameraden von damals sind mittlerweile für extrem rechte Publikationen wie "Info Direkt" in Oberösterreich tätig oder arbeiten für die dortige FPÖ.

"Herr Küssel war mir nicht bekannt"

Ob er bestätigen könne, dass er auf dem Foto zu sehen sei, fragt Sabine Schatz. "Selbstverständlich", sagt Podgorschek. Als Schatz wissen will, wann und wo das Foto aufgenommen wurde, ruft die FPÖ zur Geschäftsordnung. Material zu den am Foto zu sehenden Personen sei auch im Extremismus-Referat des BVT aufzufinden gewesen, sagt Peter Pilz. Im Büro der Referatsleiterin Extremismus, S. G., wurden laut einigen Aussagen vor dem U-Ausschuss auch klassifiziertes Material zu rechtsextremen Strukturen in Österreich beschlagnahmt, das aber nichts mit dem staatsanwaltlichen Verfahren gegen führende BVT-Mitarbeiter zu tun hatte.

Man habe Küssel den Zutritt zur Veranstaltung verwehrt, behauptet Podgorschek in der Folge, aber nicht verhindern können, "dass wer im öffentlichen Raum das Foto macht". Gottfried Küssel sei ihm außerdem nicht bekannt gewesen, behauptet der FPÖ-Politiker.

Podgorschek muss danach weitere Fragen zu seiner Rede vor der AfD beantworten. Laut Transkript sprach er damals auch von "verdeckten Ermittlern", die es möglicherweise auch in der AfD geben könnte. Er habe das gesagt, da bei "Parteineugründungen in Deutschland häufig V-Männer eingesetzt werden", sagt Podgorschek. So auch in der NPD, die "ja nur deshalb nicht verboten wurde, weil jedes zweite Mitglied ein V-Mann des BND war". Ob er fürchte, dass auch in der FPÖ V-Männer eingesetzt werden? "Nein, wir haben ja ein anderes Rechtssystem", sagt Podgorschek.

Treffen mit Herbert Kickl

Stephanie Krisper von den Neos will von Podgorschek Auskünfte zum rechtsextremen Kongress "Verteidiger Europas" im Oktober 2016 in den Linzer Redoutensälen. Sie legt dem FPÖ-Politiker eine – später versehentlich von der Polizei veröffentlichte – Einschätzung des BVT-Extremismus-Referats vor, unterzeichnet von der Referatsleitern S. G.. Die am Kongress vertretenen Publikationen und Gruppierungen wie zum Beispiel "Info Direkt" würden "zum Teil äußerst fremdenfeindliche" Inhalte vertreten, verschwörungstheoretische Ansätze seien dort genau so zu finden wie eine pro-russische Ausrichtung.

Ob er die Einschätzung teile? Früher habe er "Info Direkt" "durchaus als seriöses Blatt" eingestuft, so Podgorschek.

Zwei mal habe er, Podgorschek, den FPÖ-Innenminister Herbert Kickl vor der Razzia am 28. Feber getroffen, einmal direkt nach der "Affäre Landbauer" und dem neonazistischem Liederbuch, das im Ausschuss bereits mehrfach Befragungsthema gewesen war, wird später klar. Waren bei den Besprechungen Burschenschaften und die "Affäre Landbauer" Thema? "Natürlich", sagt Podgorschek, "wir haben ja auch dann die Historiker-Kommission beschlossen". Am 10. Jänner wie auch am Bundesparteivorstand am 12. Februar habe er mit Kickl gesprochen, sagt der FPÖ-Landesrat aus.