Peter Simonischek. - © Katharina Sartena
Peter Simonischek. - © Katharina Sartena

"Im Film fällt einmal der Satz: ‚Familie ist so kompliziert’. Das war wie ein Ausgangspunkt für mich, und auch die Frage, wie man sich davon loslösen kann", sagte Regisseurin Maren Ade in Cannes. Ob es Absicht wäre, dass sie sich eine junge Frau als Protagonistin auserwählt hat, die es schon durch ihr Geschlecht schwerer in der Business-Welt hat? "Ich stecke schon tief in der Gender-Debatte, denn jeder fragt mich danach. Meine Hauptfigur ist eine Frau, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss. Mir geht es ja ähnlich im Filmbereich", meint Ade, die aber festhält: "Wenn ich einen James-Bond-Film anschaue, dann bin ich der James Bond und nicht das Bond-Girl. Insofern hat es keine wirkliche Bedeutung, dass die Hauptfigur eine Frau ist. Dahinter gibt es keine grundsätzlich feministische Ansage".
Bei den Dreharbeiten hat sich Ade betont zurückgehalten, was die Anweisungen an ihre Schauspieler angeht. "Deshalb ist der Film auch sehr authentisch geworden, finde ich".

"Blicke und Vorgänge zwischen mir und Peter Simonischek haben damit zu tun, dass wir uns tierisch auf den Nerv gegangen sind. Es gab einen langen Probenprozess, der das Gefühl für die Figuren anreichert. Man redet dabei nicht über die Geschichte oder das Ergebnis. Diese Arbeit ist nicht ergebnisorientiert", erklärt Sandra Hüller.

Für Peter Simonischek eine ungewohnte Art zu arbeiten: "Ich habe viele Komödien am Theater gespielt. Aber das ist eine ganz andere Form der Komödie, so etwas war für mich etwas völlig Neues. Ich habe diese Komödie erst verstanden, als ich sie vor einer Woche gesehen habe. Maren ließ sich nie anmerken, ob wir etwas gut oder schlecht gespielt haben, das hat die Spannung aufrecht erhalten - und wenn das über Monate so geht, ist das natürlich anstrengend. Denn man geht am Abend nach Hause und hat fast Gefühl, nie etwas gut gemacht zu haben. Aber es hat sich ausgezahlt, wie man gesehen hat".

Der Lohn war ein volles Premierenhaus in Cannes mitsamt großem Beifall. All das bedingt durch die sensible Regie einer Frau, der es darum ging, "den Moment der Wahrhaftigkeit einzufangen", sagt Ade.

Momente also. Am Ende von "Toni Erdmann" soll ein Fotoapparat einen solchen lebenswerten Moment festhalten. Aber es dauert zu lange, und der Moment zieht fort. Was bleibt von diesem Film, ist die Erkenntnis: Vom Glück existieren keine Fotos.