Und dann ist da noch die Sache mit der Liebe: Bei den schwulen Sexszenen, die der Film beinhaltet (und wohl deshalb ein R-Rating für den US-Kinomarkt erhielt), wurde nichts gekürzt oder zensiert, versichert Regisseur Fletcher. "Der Deal war immer: Es gibt in diesem Film keine Tabus." Die Sexszenen sind dennoch eher streichelweich denn explizit. "Wir wollten Elton Johns Liebschaften schon thematisieren, aber natürlich nicht ein totales Jugendverbot riskieren", so Fletcher. Eine Liebesszene zwischen John und seinem Manager (Richard Madden) wurde im Nachhinein gekürzt, aber nur aus Gründen der Länge, nicht wegen sexuell anstößiger Inhalte, versichert der Regisseur.

Außen Erfolg, innen Kampf

Fletcher entdeckte in Elton Johns Biografie insofern Parallelen zu seinem Leben, als dass er selbst einst starke Drogenprobleme gehabt hatte. "Ich habe sogar eine Weile im Auto geschlafen", so Fletcher. "Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der zwar von außen wie ein Erfolgstyp wirkte, in seinem Inneren aber einen steten beinharten Kampf mit seinen Emotionen führen musste. Das ist etwas, damit kann sich jeder Kinogänger identifizieren, und das macht den Stoff so sympathisch."

"Rocketman" hat als Musical sogar ausreichend Qualität für ein Zweitleben als mögliche Broadway-Version, denn das Bio-Pic tritt zugunsten von Elton Johns fantastischer Musik immer wieder dezent in den Hintergrund. An einer eigenen Bühnenfassung soll auch schon gearbeitet werden. Dass es am Ende des Tages noch eine Überraschungsperformance von Elton John und Taron Egerton bei der Filmparty in Cannes gab, war so überraschend nicht, aber sie bestätigte die Qualität des Hauptdarstellers: Auch live klingt Egertons Gesang erstaunlich gut.