Höher, schneller, weiter – das Leben des Tom Cruise gleicht einer rasanten Achterbahnfahrt, aber anstatt jemals wieder auf dem Boden zu landen, geht es mit diesem Schauspieler scheinbar immer nur bergauf. Den Eindruck könnte bekommen, wer bei der Huldigung des Hollywood-Superstars und Scientologen Cruise in Cannes dabei war, wo man den lang erwarteten Teil zwei von "Top Gun" vom Stapel ließ – mit einer Masterclass des Idols und ausgedehntem Autogrammeschreiben sowie einem spektaktulären Überflug der Patrouille de France hernach am roten Teppich. Dort fühlt sich Cruise sichtlich am wohlsten, wenn er sich in der Zuneigung seiner Anhänger baden kann. Die erbrachten ihm auch Standing Ovations, als er, angekündigt von Festival-Chef Thierry Frémaux, das Debussy-Kino betrat, wo das Publikum eine zehnminütige Hommage durch seine Filme ertragen musste: Da war alles dabei: Die Stunts aus "Mission: Impossible", sein Ausraster vor Gericht in "A Few Good Men", seine zarte und harte Bindung zu Dustin Hoffman in "Rain Man", natürlich die besten Shots aus "Top Gun" von 1986, und die waghalsigsten Aufnahmen aus Filmen wie "Last Samurai", "Minority Report", "Geboren am 4. Juli" oder "Tage des Donners".

Tom Cruise strahlt nur so vor positiver Energie, aber das ist auch kein Wunder, bei diesem frenetischen Empfang, die der bald 60-Jährige in Cannes erhielt. Und weil Tom Cruise eben Tom Cruise ist, spricht er bei diesem Anlass am liebsten über sich. "Es ist all meinen Fähigkeiten zu verdanken, die ich mir mühevoll erarbeitet habe, dass die Filme so sind wie sie sind", sagt Cruise. "Ich will, dass die Zuschauer die Arbeit, die hinter einer Szene steckt, nicht bemerken. Nur dann funktioniert der Film für mich".

Die Patrouille de France überflog das Palais des Festivals in Cannes aus Anlass der Premiere von "Top Gun: Maverick". 
- © afp/hache

Die Patrouille de France überflog das Palais des Festivals in Cannes aus Anlass der Premiere von "Top Gun: Maverick".

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Aber gerade diese Arbeit hinter den Kulissen sei so enorm wichtig, und ein Star wie er genüge nicht, wenn es am Kostüm, am Licht oder am Ton scheitere, so Cruise. "Wir sind ein großes Team, das Filme in jeder Kleinigkeit und in allen Facetten möglich machen". Seine Fähigkeiten hat Cruise sicherheitshalber jedoch in allen Bereichen ausgebaut, wie er nicht müde wird, zu betonen: "Ich war schon als 18-jähriger bei meinen ersten Tagen an einem Filmset so wissbegierig wie kaum einer sonst. Ich wollte alles wissen über die Technik und die Kameras, die Optiken und das Licht. Ich habe das in mich aufgesaugt". Diese Parameter seien ein wesentlicher Bestandteil seines Erfolgs, ist Cruise überzeugt. Und der Erfolg ist eben der Lohn für seinen Fleiß. "Ich wollte immer nur das machen: Filme, Filme, Filme", so Cruise. "Das ist einfach mein Leben, und deshalb werde ich niemals aufhören, Filme zu machen". Für die große Leinwand, wohlgemerkt. Denn es sind Filme, "die ich fürs Publikum mache. Das Publikum ist der einzige Maßstab – und die Menschen sollen zusammen in einem Kino sitzen und ein Erlebnis haben. Zum Glück ist das jetzt endlich wieder möglich".

Positive Energie hat er also reichlich mitgebracht. Bekannt ist Cruise auch dafür, schlagfertige Antworten zu geben, und auch diesmal hatte er eine parat, die das Selbstverständnis dieses großen, kleingewachsenen Mannes ganz vortrefflich beschreibt. Auf die Frage, warum er bei seinen Actionfilmen eigentlich alle Stunts selbst macht, seien sie noch so gefährlich, kommt Cruise eine Gegenfrage über die Lippen: "Wieso tanzte Gene Kelly eigentlich selbst?"

Tom Cruise hat Tom Cruise erklärt, und irgendwie wusste man vorher schon, worauf das hinausläuft. Cruise hat immerhin auch eine weitere Fähigkeit erworben, die in seinem Beruf beinahe die wichtigste ist: Er hat gelernt, mit dem Applaus zu leben und Demut zu spielen.