Vor genau 30 Jahren war er das letzte Mal in Cannes, um mit Nicole Kidman "In einem fernen Land" vorzustellen. Jetzt ist Tom Cruise beinahe 60 und kehrte mit einem Sequel an die Croisette zurück, das Fans seit Jahrzehnten fordern: "Top Gun Maverick" (ab 25. Mai im Kino) ist die Fortsetzung von Cruises Fliegerdrama von 1986, das ihn dereinst weltbekannt machte.

Der Zahn der Zeit hat an Cruise noch keine allzu starken Spuren hinterlassen - ein Schauspieler von seinem Format kann sich das gar nicht leisten. Bei einem Gespräch vor Presse und Fachbesuchern in Cannes ließ Cruise wissen, was der Motor für sein unermüdliches Tun ist: "Mich treibt die Neugierde nach Neuem um. Ich bin mit Buster Keaton, Harold Lloyd und Charlie Chaplin aufgewachsen und mich hat sehr früh interessiert, wo die Filmgeschichte ihren Ursprung hat. Ich lernte alles über das Geschichtenerzählen und darüber, wie wir diese Effekte auf das Publikum erzeugen", sagt Cruise. "Das sind Dinge, die mich schon immer sehr interessiert haben."

Schon seit frühester Kindheit hat Cruise sich ausgemalt, was er den Rest seines Lebens würde tun können, was ihn mit Begeisterung erfüllen könnte. "Ich habe mit immer Ziele gesetzt und diese dann konsequent umgesetzt", lobt sich der Schauspieler, der mit seinem Mantra vom "Du kannst es schaffen, wenn du willst" beinahe schon missionarisch klingt.

"Alles in mich aufgesogen"

"Wenn ich eine Kompetenz nicht hatte, dann habe ich sie mir angeeignet", so Cruise. "Mir scheint, als wäre ich an Filmsets und in Schneideräumen aufgewachsen. Ich habe immer alles, was ich darüber in Erfahrung bringen konnte, geradezu in mich aufgesogen."

Cruise, zu dessen Ehren am Premierentag von "Top Gun Maverick" passenderweise eine Fliegerstaffel der Patrouille de France mit der Tricolore über das Palais des Festivals hinwegflog, weiß um den Effekt solcher Auftritte. "Alle meine Filme mache ich für das Publikum, das ist mir das Wichtigste. Und dieses Publikum soll meine Filme in erster Linie in einem Kino zu sehen bekommen, auf einer großen Leinwand, als gemeinschaftliche Erfahrung."

Eine Absage also an die Streaming-Anbieter Netflix & Co? "Ich werde niemals für einen Streaminganbieter einen Film drehen", so Cruise. "Ich verstehe das Geschäft. Ich habe es mein ganzes Leben lang studiert. Ich mache Filme für die große Leinwand und ich weiß, wohin sie danach gehen. Das ist in Ordnung, aber ich bin überzeugt, dass ein Film zuerst ins Kino gehört. Es ist eine ganz andere Art, einen Film für das Fernsehen zu schreiben als für das Kino. Die Art, wie man dreht, ist völlig anders. Genau wie beim Theater: Das ist auch völlig anders als das Kino, es ist eine ganz andere Disziplin. Nur das Grundprinzip ist das gleiche: Alles geschieht innerhalb eines Rahmens. Wenn jemand auf der Bühne steht, ist dies ein Rahmen, innerhalb dessen man eine Geschichte erzählt."

Vom Kino will Cruise jedenfalls nicht lassen: "Wenn ich zuhause ins Kino gehe, dann tue ich das, weil ich es liebe", so Cruise. "Ich setze mir dann eine Baseball-Kappe auf und gehe wie ein gewöhnlicher Zuschauer in die Vorstellung, mit allem, was dazu gehört. Auch die Trailer machen mir Spaß und gehören zu diesem kollektiven Erlebnis. Ich liebe einfach jeden Aspekt des Kinos."