Caolin Farrell, Kirsten Dunst, Elle Fanning und Sofia Coppola.  - © Katharina Sartena
Caolin Farrell, Kirsten Dunst, Elle Fanning und Sofia Coppola.  - © Katharina Sartena

Sofia Coppola ist mit "The Beguiled" ("Die Verführten") in den Wettbewerb um die Goldene Palme gezogen, und die Filmkritiker, die in Cannes ihre ersten Urteile nach dem Pressescreening abgaben, waren sich einig: Seit "Lost in Translation" hat Coppola keinen so gelungenen Film mehr gedreht.

Die Geschichte nach einem Roman von Thomas Cullinan, die bereits 1971 mit Clint Eastwood verfilmt wurde, dreht sich um eine Mädchenschule im Jahr 1864, zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Damals war diese Schule ein Hort für viele junge Frauen, die dort Schutz vor den Kriegswirren fanden. Als eines Tages ein verwundeter Soldat in die Schule gebracht wird, wo man ihn gesundpflegen will, gerät das sensible Gefüge unter den Mädchen außer Kontrolle. Denn viele von ihnen erliegen dem Charme des smarten Soldaten, und es kommt zu Neid, Eifersucht, Missgunst und erotischen (Macht-)Spielchen.

Coppola inszeniert all das mit einer erfrischenden Geradlinigkeit; sie kommt in diesem kammerspielartigen Thriller schnell auf den Punkt. Der Plot ist energiegeladen und verträgt auch die gute Brise Humor, die Coppola einarbeitet. Dank der Besetzung mit Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell und Elle Fanning entsteht hier auch noch großes Star-Kino.

"Im Kern geht es in meinem Film um Themen, die damals wie heute aktuell sind, das ist relativ unabhängig von der Zeit", findet die 46-jährige Regisseurin. "Es geht um den Kampf zwischen Männern und Frauen, und der ist nach wie vor sehr aktuell". Vor allem, weil Frauen in vielen Bereichen unterrepräsentiert seien.

Coppola und auch ihr Star Nicole Kidman zielen mit solchen Aussagen auch in Richtung des Filmfestivals von Cannes, das in seiner nunmehr 70. Ausgabe immerhin drei Filme im Wettbewerb (von 19 Filmen insgesamt) zeigt, die von Frauen inszeniert wurden: Neben Coppola sind das die neuen Arbeiten von Naomi Kawase und Lynne Ramsay. Dennoch: "In 70 Ausgaben des Cannes-Festivals gab es mit Jane Campion nur eine Frau, die jemals die Goldene Palme gewonnen hat", wunderte sich Frankreichs Schauspielikone Isabelle Huppert kürzlich am Rande des Festivals. "Mehr muss man dazu gar nicht sagen".