"Dieser Regisseur hat mich zu dem gemacht, was ich bin: Eine Filmemacherin. Von Ingmar Bergman habe ich gelernt, den Blick in die eigenen Abgründe zuzulassen", sagt Margarethe von Trotta. "Ich kann diese Abgründe dann für meine Filme benutzen, es ist wie ein Werkzeug. Das ist gerade für Filmemacher toll, die auch ihre eigenen Drehbücher schreiben."

Margarethe von Trotta hat nach Cannes ihren neuen Film "Auf der Suche nach Ingmar Bergman" mitgebracht, eine sehr persönliche Spurensuche aus Anlass des 100. Geburtstages des schwedischen Regie-Legende (1918-2007), die Meisterwerke wie "Persona", "Das siebente Siegel" oder "Szenen einer Ehe" schuf. Von Trotta, die Bergman 1977 in München kennenlernte, als dieser wegen steuerlicher Probleme kurzzeitig in Deutschland lebte, ließ sich auf die Bitte ihres Produzenten ein, die Doku zu gestalten. "Anfangs habe ich abgelehnt", so die deutsche Regisseurin, "weil ich fand, dass zu Bergman schon alles gesagt war. Außerdem lastete eine zentnerschwere, überlebensgroße Aufgabe auf meinen Schultern, der ich mich nicht gewachsen fühlte." Die Lösung war ein persönlicher Zugang: von Trotta selbst tritt im Film auf und führt durch ihre Spurensuche bei Bergmans Familie und seinen Weggefährten. "Ich habe mich für diesen Zugang entschieden, weil ich Bergman so am nächsten kam. Die Gespräche mit seinem Sohn waren sehr aufschlussreich". Außerdem überzeugt hatte von Trotta der Umstand, dass sie von dem Kreis der Menschen, die Bergman lange Jahre persönlich kannten, die letzte war, die noch lebt. "Das war ein gutes Argument, mich mit dem Thema zu befassen", so die inzwischen 76-jährige.

"Auf der Suche nach Ingmar Bergman" ist übrigens die erste Doku im Werk der Filmemacherin. "Das bleibt sicher nur ein einmaliger Ausflug, denn ich habe es lieber, wenn ich Szenen inszenieren kann, als mich dauernd von dem überraschen zu lassen, was passiert", so von Trotta, die als eine der wenigen Frauen unter meist männlichen Kollegen schon vor 40 Jahren für Furore sorgte. "Im Prinzip habe ich immer schon das gelebt, was heute alle fordern, nämlich mehr Frauen in Berufen, die als Männerdomänen gelten, gleiche Bezahlung und all das". Nachsatz: "Ich finde es traurig, dass wir die Debatte heute über die Gleichberechtigung der Frauen vor allem deshalb führen, weil sie von den sexuellen Übergriffen, die ans Licht gekommen sind, ausgeht. Ich finde, die Debatte um Gleichberechtigung hätte schon viel früher stattfinden müssen".