Thandie Newton bei der "Solo"-Premiere in Cannes. - © K. Sartena
Thandie Newton bei der "Solo"-Premiere in Cannes. - © K. Sartena

Es gibt eine Seite an Thandie Newton, da ergreift sie energisch Partei für eine Sache, und das ist die #MeToo-Debatte, die sie von Beginn an stark mitgeprägt hatte.

"Ich bin seit 20 Jahren Aktivistin und engagiere mich für die Rechte der Frauen und gegen Gewalt", sagt die 45-jährige britische Schauspielerin. "Ich bin um die halbe Welt gereist, habe ganz Afrika gesehen und immer versucht, den Stummen eine Stimme zu sein. Die Dinge, die ich gesehen habe, sind erschreckend und bewegen meinen Alltag. Ich bin daher froh, zu sehen, wie Hollywood nun darum bemüht ist, etwas zu reparieren, was schon lange hätte repariert werden müssen."

Newton, die in der Rolle der Schmugglerin Val im neuen "Star Wars"-Spin-off "Solo: A Star Wars Story" (derzeit im Kino), ihre Fingerfertigkeit an der Blaster-Schusswaffe zeigt und den jungen Han Solo (Alden Ehrenreich) unterstützt, ist die erste schwarze Schauspielerin in einer derart großen Rolle in einem "Star Wars"-Film. "Das macht mich einerseits stolz, und andererseits verzweifelt darüber, dass es so lange gedauert hat", sagt Newton im Gespräch. Und kam zur Premiere des Films nach Cannes in einem Vivienne-Westwood-Kostüm, auf dem alle bisherigen schwarzen Mitwirkenden an "Star Wars" abgebildet waren. Der Applaus war ihr sicher.

Und auch jener, den sie mit ihrer Haltung zu #MeToo erhielt. "#MeToo ist die Eruption eines Traumas, im Zuge dessen Frauen heute endlich das Schamgefühl ablegen und zugeben können, dass ihnen etwas Schreckliches widerfahren ist. #MeToo bringt mich jeden Tag zum Heulen", so Newton, die sich aber auch für #Timesup engagiert: "#Timesup wiederum wendet sich Fragen zu, die ungelöst sind, wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Auch hier bewegt sich was in Hollywood. Aber Hollywood ist eine kleine Insel. Ich will den Menschen eine Stimme geben, die wirklich niemand hört. Leute, die vielleicht ein T-Shirt mit Beyoncé-Aufdruck tragen, aber gar nicht wirklich wissen, wer das ist. Und genau auf dem Rücken dieser Menschen bauen wir unseren Wohlstand auf. In jedem unserer Handys stecken seltene Erden aus Staaten wie dem Kongo, wo die Arbeiterinnen ausgebeutet und misshandelt werden. Doch die Handyfirmen bewerben ihre Produkte so, als kämen sie nicht unter enormem Druck und sexueller Unterdrückung zustande. Als wären sie saubere Produkte. So etwas raubt mir den Schlaf."

Die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, sei es, eine Balance herzustellen: "Das ist das Um und Auf. Wer das nicht versteht, wird in einer ungerechten Welt leben. Solange aber das Marketing auf dieser Welt die Themensetzungen bestimmt, worauf auch die Medien eingehen, wird das nichts", ist Newton überzeugt. "Marketing ist nicht ehrlich zu den Menschen, sondern will uns etwas verkaufen. Wir müssen darauf achten, was und von wem wir konsumieren. Denn der Konsument hat die größte Macht der Welt."