"Der Goldene Hinkelstein" erscheint nun erstmals auf Deutsch im Verlag Egmont Ehapa. Es gibt auch ein Hörbuch. - ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO
"Der Goldene Hinkelstein" erscheint nun erstmals auf Deutsch im Verlag Egmont Ehapa. Es gibt auch ein Hörbuch. - ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO

Was uns heute die Wiener Stadthalle oder das Messegelände, das ist im Gallien des Jahres 50 vor Christus der Karnutenwald. Da treffen sich die Druiden zu Erfahrungsaustausch und (Zauber-)Kräftemessen, und da veranstalten auch die gallischen Barden ihren großen Wettstreit, quasi zu einem antiken Song Contest. Einer darf da natürlich nicht fehlen: Troubadix. Der Dorfbarde will beim jährlichen Bardenwettbewerb den Goldenen Hinkelstein holen, und weil Asterix befürchtet, dass Troubadix ob seiner fragwürdigen Sangeskünste niedergemacht werden könnte – zumal im Karnutenwald die Räuber hausen, wie wir seit "Asterix und die Goten" wissen –, begleiten er und Obelix ihn sicherheitshalber.

So beginnt das neue Asterix-Abenteuer "Der Goldene Hinkelstein", das heute, Mittwoch, bei Egmont Ehapa erscheint. Doch halt, was heißt da neu? Stimmt doch gar nicht, die Geschichte ist eigentlich 53 Jahre alt und stammt tatsächlich noch aus der Feder von René Goscinny und Albert Uderzo. Die beiden Väter von Asterix brachten nämlich 1967 "Le Menhir d’ Or" als Schallplatte mit Begleitbuch auf Französisch heraus – in einem ganz besonderen Jahr: Denn 1967 sprengten sie erstmals mit einem Band die magische Grenze von einer Million Stück, mit "Asterix als Legionär" kam das zehnte Album heraus, und in den Kinos lief der erste Film ("Asterix der Gallier") an. Im selben Jahr wechselte auch der Lizenznehmer für den so wichtigen deutschsprachigen Markt: Der Stuttgarter Ehapa-Verlag übernahm die Rechte von Rolf Kauka.

Bisher noch nie auf Deutsch erschienen

Es mag also bis zu einem gewissen Grad ein Jubiläumsprojekt der beiden gewesen sein, bei dem Goscinny und Uderzo neue Wege beschritten. Denn bis dahin und auch danach war es ja stets so, dass zunächst das jeweilige Album auf Papier herauskam und dann erst vertont wurde. Nur für "Der Goldene Hinkelstein" schufen Goscinny und Uderzo eigene Texte und Bilder, die es nie in Sprechblasenform gab. Und die, weil als Hörspiel rasch vergriffen, bald in Vergessenheit geraten sind. Die Les editions Albert René hat nun dieses Stück Asterix-Geschichte (im doppelten Sinn) aus dem Archiv hervorgeholt. Uderzos alte Bilder wurden gescannt, noch unter persönlicher Aufsicht des im März verstorbenen Zeichners von dessen engsten Mitarbeitern restauriert und gemeinsam mit Goscinnys Texten in deutscher Übersetzung als außertourliches illustriertes Album veröffentlicht, das nun auch im Verlag Ehapa erscheint.

Obelix wie er leibt und lebt. Die Asterix-Abenteuer erscheinen im deutschsprachigen Raum bei Egmont Ehapa Media. - ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO
Obelix wie er leibt und lebt. Die Asterix-Abenteuer erscheinen im deutschsprachigen Raum bei Egmont Ehapa Media. - ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO

"Es ist die erste deutschsprachige Version. Bei uns ist es auch noch nie als Hörspiel erschienen", erklärt Ehapa-Chefredakteur Wolf Stegmaier im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Bilder vom neuen Zeichner Didier Conrad zu einem richtigen Comic vervollständigen zu lassen, stand nie zur Debatte. "Man wollte dieses besondere Erbe von Goscinny und Uderzo genauso bewahren." Nun liegt also ein 48-seitiges Dialogskript mit Illustrationen vor, das durch ein 33-minütiges Hörspiel ergänzt wird. Stegmaier hat dabei besonders der nostalgische Aspekt gefallen. "Und was wir sonst nie haben: Man musste bei der Bearbeitung auch immer die Umsetzung als Hörspiel im Hinterkopf behalten, zum Beispiel die Singbarkeit der Songtexte von Troubadix. Die alten Alben wurden ja nie eins zu eins vertont."

Was beim ersten Durchlesen auffällt: "Der Goldene Hinkelstein" ist eigentlich eine Hommage an den Barden Troubadix, der übrigens im Original Assurancetourix heißt (lautmalerisch von assurance tous risques – Vollkaskoversicherung; eine eindeutige Anspielung auf Übergriffe wie jenen von Automatix auf Seite 1, der sich hier allerdings fast schon nobel zurückhält). In kaum einem Band davor und danach hatte Troubadix einen dermaßen großen Auftritt – vielleicht noch in "Asterix als Gladiator" (da wurde er entführt) und "Asterix im Morgenland" (da verlor er seine Stimme) – und durfte außerdem auch noch am traditionellen Festbankett am Ende teilnehmen. Ein historisches Detail am Rande: Die realen Gallier zollten ihren Barden großen Respekt. Freilich sangen diese wohl nicht so schief wie Troubadix, was nun auch nachzuhören ist. Im neuen Album findet sich am Schluss ein QR-Code beziehungsweise der Link zum Hörspiel, der online zum Hörspiel führt, das nun auch auf Deutsch neu aufgenommen wurde.

Kürzer als gewohnt

Wer sich nun einen vollwertigen Band erwartet, könnte nach der Lektüre etwas enttäuscht sein. Denn die Handlung auf den 48 Seiten ist vergleichsweise kurz. Und auch das Hörbuch ist nur halb so lang wie gewohnt. Die Geschichte beinhaltet nichtsdestotrotz alles, was ein richtiges Asterix-Abenteuer braucht: Eine gemeinsame Reise, eine Entführung, eine römische Patrouille, einen überforderten Zenturio, eine Keilerei mit den Römern, Obelix‘ vergeblichen Versuch, ein Schlückchen Zaubertrank zu bekommen – sowie zahlreiche Wortspiele und -klaubereien.

Außerdem standen auch hier reale Figuren Modell. So ist ein römischer General dem jungen Peter Ustinov in seiner Rolle als Kaiser Nero in "Quo vadis?" wie aus dem Gesicht geschnitten (übrigens der dritte Auftritt binnen kurzem, denn der römische Statthalter von Londinum in "Asterix bei den Briten" sah auch schon Ustinov ähnlich, allerdings seinem damaligen Alter entsprechend; Ustinov-Ansätze sind auch beim Präfekten Unnutzus in "Tour de France" zu sehen).

Während Uderzo nur wenige Bilder zwecks Untermalung der Handlung zeichnete, sparte Goscinny nicht mit aberwitzigen Pointen, von denen auch bei der Übersetzung ins Deutsche viele erhalten geblieben sind. Dass die Dialoge beim Lesen trotzdem mitunter etwas hölzern wirken, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass sie ja ursprünglich für ein Hörspiel geschrieben wurden. Und da muss man halt manches anders erklären, als es klassische Comicbilder mit Sprechblasen täten.

Dass "Der Goldene Hinkelstein" gerade jetzt erscheint, hat wohl verlagsstrategische Gründe. Denn das nächste reguläre Album ist – wenn das neue Team Jean-Yves Ferri (Texte) und Didier Conrad (Bilder) seinen Zwei-Jahres-Rhythmus beibehält – erst im Herbst 2021 dran. Wahrscheinlich wollte man den Fans nun ohne allzu großen Aufwand zwischendurch etwas Neues bieten. Auch wenn es eigentlich etwas Altes ist.