Auch die Geschichte der großen Comicverlage ist von Konkurrenz geprägt - neben DC-Comics hat sich Marvel Comics als zweiter Marktführer in den USA etabliert, nahezu alle großen Superhelden sind in diesen beiden Verlagen vertreten - zu Marvel Comics gehören etwa Spider Man, Hulk, Daredevil oder Iron Man. Dass diese Namen auch der heutigen Jugend bekannt sind, liegt vor allem an Kinoerfolgen. Die Filmbranche hat in den vergangenen Jahren vielen Superhelden zu einem Comeback verholfen, die Geschichten von Batman und Spiderman wurden zu mehrteiligen Kassenmagneten, 2011 kommen neben der Grünen Laterne auch Thor, der ebenfalls in den 60er Jahren entstand, und Fortsetzungen von "Transformers" und "X-Men" in die Kinos.

Längst sind es nicht mehr nur die strahlenden Helden, die die Kinobesucher anziehen: "Superman war immer gut, das hat keiner mehr ausgehalten", erzählt Gusenbauer. "Deshalb kamen dunklere Ritter, die auch Probleme machten." In einer Episode in "Sin City" wird etwa ein Anti-Held zum Superheld - "das ist ein brutaler Comic, der Held ist ein wilder Hund und nicht mehr der gute Mensch." Längst wird der Superheldenbegriff auch cineastisch parodiert - wie vergangenes Jahr in der Komödie "Kick-Ass", in der der Nerd und Comicleser Dave Lizewski beschließt, ein Superheld zu werden. Zwar ohne Superkräfte und besondere Fähigkeiten, aber mit viel Esprit lernt er andere Möchtegern-Helden kennen, mit denen er sich zu einer Allianz vereinigt.

Gottfried Gusenbauer, der als Leiter des Nextcomic-Festivals in Linz jährlich im Frühjahr Comics und Graphic Novels eine breite Plattform gibt, ist selbst Fan von Spiderman. "Er ist eine interessante Figur. Nachdem ich den Film im Kino gesehen habe, habe ich auch einen Sinn in Hollywood gesehen", erzählt er. "Das sind Epen, moderne Märchen. Spiderman und Batman wurden sehr professionell verfilmt, erst jetzt kann man das technisch wirklich gut machen." Dabei wird auch das Image der USA breitenwirksam in die Welt transportiert: "Man sagt, Superman ist so, wie sich Amerika selbst sieht. Und Batman ist so, wie die Welt Amerika sieht", sagt Gusenbauer. Das Bild wird aber nicht nur über die Leinwand vermittelt, erst vor wenigen Wochen, Mitte Juni, hatte am Broadway ein Musical mit prominenter Beteiligung Premiere: U2-Sänger Bono und U2-Gitarrist The Egde haben für das Musical "Spiderman" Musik und Text geschrieben, daraus wurde das mit 70 Millionen Euro Kosten bisher teuerste derartige Musicalprojekt.

Superlative begleiten die Superhelden nicht nur bei Besucherzahlen und Produktionskosten, sondern auch, wenn wieder einmal ein frühes Comicheft um hunderttausende Dollar den Besitzer wechselt. Heute haben Hefte nur mehr einen sehr geringen Stellenwert, erklärt Gottfried Gusenbauer. Selbst die Kinofilme sind oft nicht mehr als Nebenprodukte für die Spieleindustrie, die mittlerweile einen enormen Markt ausmacht.

Die Hefte, mit denen in den 30er-Jahren in den Verlagen Marvel und DC Comics mancher Mythos begann und das Goldene Zeitalter der Superhelden eingeläutet wurde, sind heute vernachlässigbar. Gelesen werden dafür immer mehr anspruchsvolle Comics und Graphic Novels, was früher als Schundlektüre galt, erobert in neuer Form die Buchhandlungen und Feuilletons. Und noch immer gehören Micky-Maus-Hefte zum Standard-Lesestoff, sagt Gusenbauer - neben den Superhelden gehören auch Disneys Figuren zu den Ikonen der Kinderzimmer. "Donald Duck etwa ist einer dieser Helden, die immer ein wenig Pech haben", sagt Gusenbauer. Lucky Luke ist ein typisch amerikanischer Held, der allerdings auch Schwächen zeigt, mit faulen Typen wie Garfield oder Hägar dem Schrecklichen identifizieren sich viele Leser gerne. Comichelden müssen nicht immer in Strumpfhosen und mit Superkräften auftreten - auch die menschlicheren gezeichneten Helden verfolgen meist eine Mission. Vielleicht wollen sie nicht gleich die ganze Welt retten - Popeye mit seinen Spinatkräften aber immerhin die schöne Olivia, Asterix beschützt sein gallisches Dorf, Donald will seinen reichen Onkel beeindrucken. Und Garfield-Comics drehen sich nur um eine Mission: Lasagne.