Ich hingegen wundere mich, dass kaum einem Künstler eine würdige Katzendarstellung gelang. Nicht einmal Albrecht Dürer schaffte es, und er war wohl ein begnadeter Zeichner. Aber wie kann jemandem, dem solch ein Hase gelingt, eine Katze so missraten wie im Kupferstich vom Sündenfall, wo ein dickliches Etwas Adam und Eva zu Füßen liegt? Im "Katzenkonzert" von Jan Breugel d. Ä. sind ein, zwei Katzengesichter geglückt, aber die anderen sind unkätzisch. Was nicht stimmt, kann man dabei nicht genau benennen, es ist nur das Gefühl: "So nicht." Franz Marcs "Katze auf gelbem Polster" ist nicht nur aus malerischer, sondern sogar aus felider Sicht ein Meisterwerk - aber nahezu das einzige.

Katzendichtung

"Ich bin eben schöner, als Bilder sein könnten", scheint Barbaras Katze mir mit ihrem Blick mitzuteilen, "zumal ich ja ohnedies eher ein Wesen der besseren Literatur als der Malerei bin."

Was arrogant klingt (eine Katze eben), aber durchaus korrekt ist. Bei Dante Alighieri, Francesco Petrarca und Torquato Tasso kommt sie vor. Charles Baudelaire schrieb das grandiose Gedicht "Le chat" und die Cheshire Cat in Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" kann gar grinsen und sich vom Schwanz her unsichtbar machen. "Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern" von E.T.A. Hoffmann und "Spiegel, das Kätzchen" von Gottfried Keller haben als Klassiker der deutschen Literatur keinen Staub angesetzt. Aber für den literarischen Katzenadel sorgte der Literaturnobelpreisträger T.S. Eliot mit seinem "Old Possum’s Book of Practical Cats", den witzigsten, berührendsten und tiefgründigsten Versen, die jemals über Katzen gedichtet wurden (dass Andrew Lloyd Webber bei ihrer Vertonung in "Cats" zur Hochform auflief, ist kein Wunder). Und der englische Star-Dramatiker Edward Bond schrieb für den deutschen Star-Komponisten Hans Werner Henze das Libretto zur Oper "Die englische Katze".

Höhere Ehren gibt’s da nur noch, wenn sie religiöser Natur sind. Der Koran berichtet von Mohammeds Lieblingskatze, und so gilt die Katze im Islam als reines Tier. In Marokko liegt gar Baraka (Segenskraft) auf ihr.

Genug Ehrendes genannt? - Barbaras Katze jedenfalls scheint besänftigt und gönnt mir jetzt sanftes Schlecken und leichte Bisse. Alles vergeben? Wenn mir nur Matthew Inmans Buch nicht im Kopf herumginge. "Vielleicht", sage ich mir, "will sie mich ja nur in Sicherheit wiegen. . . "