Eine Ikone: Superman-Art auf der WonderCon comic book convention in San Francisco. - © corbis
Eine Ikone: Superman-Art auf der WonderCon comic book convention in San Francisco. - © corbis

Wien. Der Superheld schlechthin wird 75 - und vielleicht fällt das Fliegen schon ein wenig schwerer. Dabei hatte er es auch am Anfang nicht leicht, denn bevor am 1. Juni 1938 im US-Comicverlag "DC Comic" sein erstes Abenteuer erschien, waren jede Menge Hürden zu überwinden. Seine ersten Jahre verbrachte der später weltberühmte Held in einer Art Brutkasten in der amerikanischen Provinz.

Zwei Teenager, Schulfreunde aus Cleveland in Ohio, hatten sich die Figur ausgedacht und, angeregt durch Friedrich Nietzsches "Übermenschen" und George Bernhard Shaws "Man and Superman", Superman getauft.

Jerry Siegel schrieb die Geschichten und Joe Shuster fertigte die Zeichnungen, beide waren Jahrgang 1914 und absolute Science-Fiction-Fans, was dazu führte, dass sie ein bescheidenes Blättchen mit eben jenem Namen herausgaben und mit eher weniger als viel Erfolg verkauften.

Superman war anfangs auch durchaus kein Held, sondern ein Schurke, war eher dünn als athletisch, war ein Glatzkopf und verfügte eher über mentale als physische Kräfte. Siegel und Shuster überdachten dies aber und warfen buchstäblich alles über den Haufen. Superman war jetzt eine Mischung aus Herkules, Robin Hood, Zorro und Mahatma Gandhi, ein unerschrockener, leidenschaftlicher, wenn auch immer leicht naiver Kämpfer für das Gute, der sich schwuppdiwupp vom bürgerlichen Mittelklasse-Weichei in eine Kampfmaschine verwandeln konnte. Sogar der Name für Supermans Alltags-Ausgabe "Clark Kent" war geklaut, es war eine Kombination der beiden Schauspielernamen Kent Taylor und Clark Gable.

Aber das hätte wohl alles nichts genützt, wenn nicht der US-Verlag National Periodical, der sich später "Detective Comics" nannte, für ihre neue Publikation "Action Comics" händeringend ein Zugpferd gesucht hätte. Zähneknirschend schloss Verleger Whitney Ellsworth einen Vertrag mit den beiden Newcomern, nachdem er das Superman-Konzept zuvor stets als zu kindisch abgelehnt hatte.

Die neue Comic-Reihe schlug aber ein wie eine Bombe. Und da niemand eigentlich glauben wollte, dass dies auf Superman zurückzuführen war, wurden umfangreiche Befragungen organisiert, die aber dann die Überraschung bestätigten. Aus den pubertären Träumen zweier Jugendfreunde wurde ein Welterfolg.

Mehr als eine Million Hefte wurden bald schon von jedem Superman-Abenteuer verkauft, die GIs blätterten darin zwischen den Kampfeinsätzen gegen Japaner und Deutsche, entzückt darüber, dass auch ihr unbesiegbarer Held in den Kampf gegen Nazis und Hitler zog.

Kampf gegen die Nazis

Jerry Siegel war wegen seiner jüdischen Herkunft besonders motiviert, und nachdem Superman in einer seiner Geschichten Hitler vor den Völkerbund schleifen durfte, wurde Superman in Deutschland zum Staatsfeind. Propagandaminister Joseph Goebbels geißelte Superman in einer Radioansprache als "einen Juden" und das SS-Hassblatt "Das schwarze Korps" nannte den Comic-Helden einen "körperlich und geistig beschnittenen Israeliten".

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fand sich schnell ein Ersatz für das Feindbild Nazi. Die Sowjetunion wurde nun als Reich des Bösen und Hort der Unfreiheit von dem Mann in dem rot-blau-gelben Strampelanzug mit dem "S" auf der Brust bekämpft, was Kreml-Chef Nikita Chruschtschow zu der zynischen Bemerkung veranlasste, selbst der "Mann aus Stahl" könne den Eisernen Vorhang nicht durchbrechen. Selbstverständlich wurde Superman in den Staaten des Warschauer Paktes nicht öffentlich verkauft, erfreute sich aber einer regen Nachfrage auf dem Schwarzmarkt.

Autoren drohte Armut

Die beiden Autoren Siegel und Shuster hatten die Rechte an Superman für geradezu lächerliche 130 Dollar an den Verlag verkauft, konnten aber ganz gut von ihren Ideen leben, bis sie sich Ende der 40er Jahre überwarfen. Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit führte zu nichts, bis der Medienriese Warner, inzwischen Besitzer von DC-Comic, 1978 auf öffentlichen Druck den beiden, die zu verarmen drohten, eine jährliche Rente von 24.000 Dollar genehmigte. Siegel starb 1996 im Alter von 82 Jahren, Shuster vier Jahre zuvor. Für eine gut erhaltene Erstausgabe werden heute übrigens Millionenbeträge gezahlt.