"Asterix" erblickte als Fortsetzungsserie im legendären französisch-belgischen Comics-Magazin "Pilote" 1959 das Licht der Welt, der erste Band erschien 1961. Aufgrund des sehr auf französische Verhältnisse abzielenden Humors, der zudem mit Wortspielen durchdrungen war, machte man sich erst mit einiger Verzögerung an Übersetzungen in andere Sprachen. Doch letztlich fand man in vielen Sprachen sehr unterschiedliche, aber regional funktionierende Übersetzungen. Beispielsweise wurde der Standardausspruch von Obelix "Ils sont fous ces romains" ("Die spinnen die Römer") in der italienischen Ausgabe mit "Sono pazzi questi romani" übersetzt, eine Anspielung auf das Hoheitszeichen des antiken Rom SPQR (Senatus Populsque Romanum – Senat und Volk von Rom), eine Abkürzung, die übrigens auch im heutigen Wappen von Rom noch zu finden ist. Mittlerweile wurde Asterix in über 100 Sprachen übersetzt und zu einem Welterfolg.

Grübel, schluck und stöhn

Comiczeichner Bob Kane (im Bild) schuf zusammen mit Autor Bill Finger die Figur "Batman". - © Bettmann/CORBIS
Comiczeichner Bob Kane (im Bild) schuf zusammen mit Autor Bill Finger die Figur "Batman". - © Bettmann/CORBIS

Gute Übersetzungen sind wichtig für den Erfolg von Comic-Bänden. Eine herausragende Rolle nehmen hier die Übersetzungen von Erika Fuchs ein. Ab den 1950er Jahren war die studierte Übersetzerin und spätere Chefredakteurin des deutschen Micky-Maus-Magazins vor allem für die Eindeutschung der Donald-Duck-Comics zuständig. Um Vorgänge aller Art zu beschreiben, verwendete sie Verben, die sie auf den Wortstamm verkürzte. Worte wie schluck, stöhn, grübel oder zitter (von "Donaldisten" scherzhaft "Erikativ" genannt) haben die Sprache von Generationen von Lesern beeinflusst. Ein Nachhall davon ist beispielsweise im EAV-Hit "Küss die Hand, schöne Frau" zu hören, wenn es heißt : "Grübel, grübel und studier, warum fahr’ ma net zu Dir?"

Fuchs, 1906 geboren, ließ zudem auch ihre klassische Bildung in die Übersetzungen einfließen. Wenn also Tick, Trick und Track einander schwören "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr " ist dies eine Anspielung auf Schillers Version des Rütli-Schwurs ("Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.")

Thomas-Bernhard-Roman "Alte Meister" als Comic – vom Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler. - © -
Thomas-Bernhard-Roman "Alte Meister" als Comic – vom Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler. - © -

Weniger einfühlsam verfuhr Rolf Kauka mit seinen Übersetzungen französisch-belgischer Comics. Man übersetzte nicht wortgetreu, sondern erfand einen, wie man meinte, für Deutschland passenderen Text. So wurden z.B. aus den Galliern Asterix und Obelix Germanen namens "Siggi und Babarras", Spirou und Fantasio wurden zu Pit und Pikkolo und Gaston wurde zu Jo-Jo, der zudem stottert. Diese Art der freien Übersetzung war damals nicht unüblich. Dennoch überspannte die Redaktion in ihrer freien Übersetzung mitunter den Bogen, was letztlich dazu führte, dass Goscinny und Uderzo dem Rolf-Kauka-Verlag die Lizenz für die deutsche Asterix-Ausgabe entzogen.

Andererseits war Rolf Kauka mit seinen Fix-und-Foxi- und Bussi-Bär-Heften sehr erfolgreich und galt vielen als ein deutscher Walt Disney. Allerdings zeichnete Disney zumindest anfangs noch selbst, Rolf Kauka war aber gänzlich Verleger, der Zeichner engagierte – u. a auch den Illustrator Walter Neugebauer, der später auch den Haribo-Bären zeichnete.

Ein weiteres deutschsprachiges Comic aus den 1950er Jahren, das jetzt wieder in einer Gesamtausgabe vorliegt, ist "Nick Knatterton" von Manfred Schmidt, dessen Geburtstag sich 2013 zum einhundertsten Mal jährt. "Knatterton" war ein als Parodie zu den US-Superhelden entworfenes Comic um den gleichnamigen Meisterdetektiv.