In Japan selbst umfassen Mangas alle Genres von Kinder- bis hin zu Erwachsenengeschichten. Allerdings nehmen Mangas in Japan einen ganz anderen Stellenwert ein als Comics hierzulande: Nach Angaben der Japanese Publishing Industry sind rund 40 Prozent (!) aller Druckwerke in Japan Mangas. Im Vergleich dazu machen laut Börsenverein des deutschen Buchhandels Comics in Deutschland magere 7,1 Prozent vom Buchmarkt aus – und da sind bereits Cartoon-Bände, Humor- und Satirebücher miteingerechnet.
Eine Auswahl lesenswerter Manga-Klassiker sind "Barfuß durch Hiroshima", eine Bildergeschichte gegen den Krieg" von Keji Nakazawa, "Heine in Japan" von Keiko Ogata und "Japan GmbH" vom "König des Manga" Shōtarō Ishinomori.

Ein neueres Manga ist z.B. "Vertraute Fremde" von Jirō Taniguchi. Ein erwachsener Mann schläft ein und erwacht als 14-jähriger Bub wieder. Jedoch mit dem Wissensstand des Erwachsenen. Er erhält so eine zweite Chance, um herauszufinden, warum sein Vater die scheinbar glückliche Familie plötzlich verließ.

Comics als Kunstform – Graphic Novels

Jene Comic-Form, die sich gegenwärtig bei Erwachsenen größter Beliebtheit erfreut, ist die sogenannte Graphic Novel. Einer ihrer wichtigsten Zeichner war Will Eisner (1917–2005), der die Entwicklung des Comics im 20. Jahrhundert maßgeblich mitgestaltete. Seine Mutter kam aus Rumänien, sein Vater aus Österreich. Zwar nahm seine Erfolgsserie "The Spirit" auch Anleihen aus dem Superhelden-Genre, Eisner ging aber darüber hinaus, indem er auch Elemente aus Kriminal-, Horror- und Liebesgeschichten hineinmischte. Als Jude waren ihm jüdische Themen ein Anliegen, wie in dem Band "Ein Vertrag mit Gott", in dem Eisner vier Geschichten aus einem New Yorker Mietshaus erzählt. Das Buch ist sogar auf Jiddisch (mit hebräischen Buchstaben) erschienen. In seinem letzten Werk "Das Komplott" beschreibt Eisner die Entstehungsgeschichte der "Protokolle der Weisen aus Zion". Dieser frei erfundene Text stammt aus dem zaristischen Russland und soll angeblich die jüdische Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft dokumentieren. Eisner zeigt damit nicht nur, wie diese antisemitische Propaganda entstand und wirkte, sondern dass Comics durchaus auch sehr ernste Sachverhalte thematisieren können.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Art Spiegelman (geboren 1948), dessen Comic-Klassiker "Maus" in zwei Bänden die Leidensgeschichte seines polnischen Vaters Wladek unter den Nationalsozialisten bis hin zur Internierung im Konzentrationslager Au-schwitz erzählt. Der Clou: Spiegelman zeichnet Juden als Mäuse, Deutsche als Katzen und Polen als Schweine. Von der Kritik hochgelobt, erhielt dieser Comic sogar einen Pulitzer-Preis.

Heute werden Comics bzw. Graphic Novels für jedes denkbare Genre eingesetzt: Es gibt sie als Krimis (Ian Rankin: "Verborgene Muster"), als Bio-grafie (Sascha Dreier: "Der Papierene. Band 1903-1933", über den österreichischen jüdischen Fußballer Matthias Sindelar), als Autobiografie (Marjane Strapie: "Persepolis"), als Fantasy-Geschichte (Neil Gainman: "Niemalsland"), als Reiseberichte (Guy Delisle: "Pjöngjang oder Aufzeichnungen aus Burma") und sogar als journalistische Reportagen (Joe Sacco: "Reportagen"). Selbst als Filmvorlagen werden Comics gerne genützt (Posy Simmonds: "Tamara Drewe", verfilmt als "Immer Ärger mit Tamara" von Stephen Fry, Frank Miller: "Sin City" verfilmt von Quentin Tarantino und Frank Miller).