Wien. (cra) Die Fantasie trieb reiche Blüte: Der Japan-Hype, der in den 1880er Jahren aufgrund von Reiseberichten aus dem für Europäer exotisch anmutenden fernen Land die Kultur Mitteleuropas erfasste und durch die Weltausstellungen in London, Paris und Wien befördert wurde, schlug sich auch auf der Bühne nieder. Eine Ausstellung im Theatermuseumin Wien befasst sich derzeit mit den japanischen Theater-Traditionen des Noh und des Kabuki (wo bereits lange vor Europa die Drehbühne zum Einsatz kam), anderseits mit ihrer Transformierung durch die oft reich ausgestatteten Reiseberichte und deren Weiterführung im europäischen Theaterschaffen.

Die 1885 in London uraufgeführte Operette "Der Mikado" von Gilbert & Sullivan sorgte für eine Japonismus-Welle, die rasch nach Österreich überschwappte. Japanisch anmutende Ballett-Ausstattungen und Revuen wurden ebenso populär wie die 1904 uraufgeführte "Madama Butterfly" von Giacomo Puccini, mit dem das Thema erstmals ernsthaft auf der Opernbühne behandelt wurde. Die großen Regisseure Max Reinhardt und Edward Gordon Craig holten sich Anregungen für japanisch inspirierte Theater-Inszenierungen.

Die optisch ansprechende Ausstellung wird von einem schönen Katalog sowie Veranstaltungen von der Tee-Zeremonie bis zu Noh-Theater-Vorführung begleitet.

Siehe auch: Anders anders - Japonismus auf der Bühne - eine Schau im Theatermuseum

Information:  "Im Rausch der Kirschblüten. Japonismus auf der Bühne" Theatermuseum, 17. Oktober 2013 bis 3. März 2014, Täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Wien 1, Lobkowitzplatz 2, Katalog im Verlag Christian Brandstätter, ISBN 978-3-85033-759-5, 27,50 Euro, 142 S
Link: Theatermuseum