Sie haben übernatürliche Kräfte, sind sehr stark und scheuen sich nicht, den Kampf gegen das Böse aufzunehmen. Selbst dann nicht, wenn sie ihn ganz alleine austragen müssen und die Situation noch so ausweglos erscheinen mag; denn schließlich sind sie Superhelden und ihre Aufgabe ist es, für das Gute zu kämpfen und die Welt vor dem Untergang zu retten.

Einst in den USA als Gegenstrom zur Weltwirtschaftskrise entstanden, haben sich die kostümierten Helden in den vergangenen 75 Jahren weltweit zu einer fixen Größe in unserer Gesellschaft etabliert. In der dreiteiligen Dokureihe "Superheroes" (Sa., 22 Uhr, Arte) zeigt Regisseur Michael Kantor den Weg, den Superman und Co. zurückgelegt haben, und gibt informative Einblicke in die Welt der Comicbücher.

Die erste Folge, "Kampf um die Wahrheit", beschäftigt sich mit der Entstehung des neuen Industriezweiges, der Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entstand und der entmutigten Bevölkerung die Möglichkeit bot, der Wirklichkeit für kurze Zeit zu entfliehen und sich in eine Traumwelt zu flüchten, in der ein Superheld den Kampf gegen das ultimative Böse aufnimmt - und gewinnt.

"American Spirit"

Gerade die Zielgruppe der jungen Leser bot für die Verlage damals noch ungeahnte Möglichkeiten und der Zweite Weltkrieg gab Gelegenheit, die heldenhaften Protagonisten publikumswirksam den ungebrochenen "American Spirit" repräsentieren zu lassen.

Die beiden anderen Folgen (jeweils Samstag) widmen sich der Zeit nach Kriegsende, in der die gedruckten Heldengeschichten plötzlich an Popularität verloren. Erst mit dem neuen Medium Fernsehen und den verfilmten Abenteuern von Superman erlebte die Comicbuch-Industrie ihren nächsten Höhenflug.

Diesen Höhenflug verdankt sie auch dem Autor und Zeichner Stanley Martin Lieber, der in den späten Fünfziger Jahren unter dem Pseudonym Stan Lee für "Marvel Comics" zeitlose Helden wie den unglaublichen Hulk oder Spiderman erschuf. Dabei wurden die Helden immer menschlicher, zeigten Schwächen und kämpften neben den Bösewichten auch gegen ihre eigenen Dämonen an.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis lag darin, dass viele Figuren suggerierten: Jeder kann ein Held sein. Oft waren es normale, eher schmächtige Typen, die plötzlich durch einen Spinnenbiss oder einen Unfall im Chemielabor zum Superhelden befördert wurden.

Auch aktuelle Ereignisse wurden in den Abenteuern thematisiert. Um die Jahrtausendwende inspirierten zum Beispiel die Terroranschläge vom 11. September 2001 viele Autoren dazu, die wahren Helden, die vor Ort unzähligen Menschen das Leben retteten, in ihren Geschichten angemessen zu würdigen.

Prinzipiell ist es aber nicht immer einfach, Film- und Comicwelt in Einklang zu bringen. Denn die Comicbücher dienen oft nur als Vorlage, und gerade Kinoadaptionen erlauben sich viele künstlerische und erzählerische Freiheiten, was unter Comicbuchfans oft zu hitzigen Diskussionen führt.

Und zu diskutieren gab es alleine im vergangenen Kinojahr reichlich. Unter den finanziell erfolgreichsten Filmen 2013 finden sich vier Comicverfilmungen: Alleine "Wolverine: Weg des Kriegers", "Thor 2: The Dark Kingdom", "Man of Steel" und "Iron Man 3" erreichten gemeinsam ein Einspielergebnis von fast drei Milliarden US-Dollar. So erweist sich die aktuelle Weltwirtschaftskrise für Superhelden als wahre Goldgrube. Was eigentlich nicht überraschen sollte: Schließlich werden wahre "Superheroes" besonders in Krisenzeiten zu wahren Höchstleistungen animiert.