- © tomfatz.net
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Doch bevor es ans Zeichnen ging, hieß es erst einmal recherchieren. Monatelang hat Fatzinek in der Bibliothek der Arbeiterkammer in Wien gelesen. Von Zeitzeugenberichten über Zeitungsartikel bis zu wissenschaftlichen Monografien.  Die Idee dazu kam aber schon sehr viel früher, in einer Zeit, als das Thema noch tabu war in Österreich, als gerade einmal begonnen wurde, über die eigene Nazi-Vergangenheit nachzudenken.

Der Stein des Anstoßes lag in Linz, wo er 1965 geboren wurde. "Ich hab damals bei der Volkshilfe in einem Altenbetreuungsprojekt gearbeitet. Wir wollten ein Zeitzeugenprojekt auf die Füße stellen. Und da bin ich erstmals auf diese Geschehnisse gestoßen. Bis dahin hatte ich ja immer gedacht, dass der Bulgari-Platz etwas mit Bulgarien zu tun hatte", lacht er. Dabei ist der Platz nach dem standrechtlich ermordeten Schutzbündler Anton Bulgari benannt. "Aber wie hätte man das wissen sollen, damals hat niemand darüber geredet, und auch in der Schule haben wir nie etwas davon gehört."

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Dass er sein Comic in Wien spielen lässt, hat rein pragmatische Gründe – er wohnt mittlerweile in Wien, allerdings ist seine Geschichte rein fiktiv und speist sich aus den vielen Lebensgeschichten von Beteiligten. Aber auch vor Ort hat er sich ein genaues Bild gemacht, vom Stiegengeländer im Karl Marx Hof oder von den Uniformen der Heimwehr im Heeresgeschichtlichen Museum: "Weil nur nach Fotos zu arbeiten, das ist zu wenig."

Geschichten von Gezeichneten

Doch nicht alles ritzt Fatzinek in Linol. "Die Schönheit der Verweigerung" über Partisanen wie Sepp Plieseis oder Resi Pesendorfer aus dem Salzkammergut oder seine vor kurzem beendete Arbeit über die Wiener Schauspielerin und Schriftstellerin Lili Grün (ermordet 1942 im weißrussischen Vernichtungslager Maly Trostinec) sind gezeichnet: "So eine schillernde Figur, die kann man nicht in Linolschnitt darstellen", sagt er. "Damit kann man proletarische Heldenepen machen, aber keine Geschichte über so einen Charakter. Sie war eine bunte, fröhliche Frau, und ich habe versucht, dieser Persönlichkeit mit Lockerheit und Farbe gerecht zu werden."

Bisher hat der Künstler all seine Bildgeschichten im Eigenverlag publiziert, was ihm zufolge weniger am politischen Inhalt denn am Desinteresse an Comics in Österreich generell liegt: "Comics sind hierzulande nicht mit Prestige verbunden,  sie werden noch immer sehr stiefmütterlich behandelt." Aber allmählich ändert sich das, wie man am Beispiel Nicolas Mahler gut sehen kann. Von ihm mussten viele Bildgeschichten zuerst einmal in Frankreich erscheinen, bevor er hier überhaupt wahrgenommen wurde und einen deutschsprachigen Verlag gefunden hat. "Heute geben sie an mit ihm, heute ist er eine Berühmtheit. Vielleicht wacht Österreich ja dadurch ein wenig auf."

Auch wenn Fatzinek nach wie vor auf Verlagssuche ist, wurden seine Comics bereits ausgestellt, unter anderem im Renner Institut oder in der AK-Bibliothek in Wien. Auch reisen viele seiner Bilder mittlerweile um die ganze Welt: So wurden ausgewählte Bilder im Vorjahr auf der Leipziger Buchmesse und auf der Grafik Biennale in Guanlan in China gezeigt.

Was er an Comics besonders schätzt? Dass man Geschichte und Politik auch an Leute bringen kann, die sich nicht durch historische Bücher ackern wollen. Darum gibt er bei seinen Werken auch oft weiterführende Literatur an. "Durch vermeintlich leichte Kost machen Comics ein Thema leicht zugänglich. Kommt auf den Geschmack und dann interessiert euch dafür!"