Nehmen wieder einen Anlauf: Hergés "Tim und Struppi". - © dpa
Nehmen wieder einen Anlauf: Hergés "Tim und Struppi". - © dpa

Paris. Mit weltweit über 215 Millionen verkauften Alben ist "Tim und Struppi" von Hergé (Georges Prosper Remi) einer der erfolgreichsten Comics aller Zeiten - auch wenn es "Asterix" auf 350 Millionen bringt. Vierundzwanzig Abenteuer wurden seit "Tim im Lande der Sowjets" - 1930 in Belgien erschienen - veröffentlicht. Die Rechte dafür liegen bei Verlag und Stiftung Moulinsart - benannt nach Hergés Erfindung Schloss Mühlenhof - unter Vorsitz von Nick Rodwell, Ehemann der Hergé-Witwe und Alleinerbin Fanny Remi. Zusammen mit dem Verlag Casterman, der seit genau 80 Jahren Hergés Verleger ist und zum Verlagsimperium Gallimard gehört, soll das einträgliche Unternehmen nun fortgesetzt werden. Die neue Chefin des Casterman-Verlags, Charlotte Gallimard, scheint damit den seit Jahren bestehenden Konflikt mit Moulinsart beigelegt zu haben.

Genese der Geschichten

Der neue, auf Französisch erschienene Band "Der Fluch des Rascar Capac" ist allerdings nur die Urfassung von "Die sieben Kristallkugeln". Denn anders als etwa Asterix oder Lucky Luke sollten Tim und Struppi nach dem Willen Hergés ihren Erfinder nicht überleben. Im neuen Album sind jeweils auf der rechten Seite die 150 Comicstrips abgedruckt, die zwischen Dezember 1943 und August ’44 unter deutscher Besatzung in der belgischen Tageszeitung "Le Soir" erschienen. Links kommentiert und vergleicht der "Tintin"-Experte Philippe Goddin, Generalsekretär der Hergé-Stiftung, diese Schwarz-Weiß-Fassung mit der 1948 erschienenen, auch inhaltlich deutlich anderen, kolorierten Version der "Sieben Kristallkugeln". Goddin liefert historische Erläuterungen, Zeichnungen und Dokumente etwa zur Verarbeitung von Kinobildern oder historischen Ereignissen und Hergés Vorarbeiten: Für dieses südamerikanische Abenteuer etwa konsultierte der Zeichner Fachliteratur über die Inkas.

Schon im September soll die Entstehungsgeschichte von "Der Sonnentempel" ausgebreitet werden. Der Verlag denkt auch schon über weitere kritische Ausgaben nach: Tatsächlich ist die Genese der Geschichten, vom ersten Abdruck in der Tageszeitung über die farbigen Editionen bis zu den aktuellen Ausgaben, eine komplexe Wissenschaft.

Erst im Jahr 2053, siebzig Jahre nach Hergés Tod, werden die Rechte an der Comicfigur frei. Kurz zuvor wollen die Rechteinhaber aber noch einmal einen Comic, Roman oder Film mit Tim und Struppi, Kapitän Haddock und Professor Bienlein vorstellen - damit ihnen die Kontrolle über Hergés Erfindung erhalten bleibt. Bis dahin lässt "Tim und Struppi" weiterhin bei vielen die Kassen klingeln: Letztes Jahr kamen in Paris bei einer "Tim und Struppi"- Auktion mit Orginalzeichnungen insgesamt 1,8 Millionen Euro zusammen. 2009 eröffnete das Hergé-Museum im belgischen Löwen.

Steven Spielberg schließlich stellt nach "Das Geheimnis der Einhorn" (2011) nun für 2016 ein zweites "Abenteuer von Tim und Struppi" als Film in Aussicht. Schon das erste hatte sich bezahlt gemacht: "Tim und Struppi" war in den Jahren 2011 und 2012 der meistverkaufte französische Comic, vor Asterix und Titeuf.

Aber der Kampf der Giganten geht weiter: Das von einem neuen Team aus Texter und Zeichner verantwortete Heft "Asterix bei den Pikten", das im Oktober 2013 erschien, wurde schon über zwei Millionen Mal verkauft. Ein deutscher Verlag hat sich für die neuen "Tim und Struppi"-Alben, so heißt es bei Casterman, noch nicht gefunden.