Hildesheim. Der Gallier "Grautvornix" oder der Römer "Nixalsverdrus" haben eines gemeinsam: Beide Namen sind Schöpfungen der Übersetzerin Gudrun Penndorf. Seit mehr als 45 Jahren übersetzt sie die "Asterix"-Bände und weitere berühmte Comics ins Deutsche und prägt damit ganze Generationen von Lesern. Ihren ungewöhnlichen Beruf verdankte sie einem Zufall, viel Mut und der Liebe, verrät sie im Interview:

Frau Penndorf, wie wird man Übersetzerin der Asterix-Comics?

Penndorf: "1968 ging mein Mann nach Paris, und ich wollte natürlich mit. Ich hatte damals schon zwei Jahre für den Ehapa-Verlag "Disneys Lustige Taschenbücher" aus dem Italienischen übersetzt. Sie trugen mir auf, mich in Paris bei Asterix-Autor Rene Goscinny zu melden. In der Rückschau habe ich mich oft gefragt, wie ich den Mut aufgebracht habe, dort anzurufen. Ich wurde also von Goscinny eingeladen und wir unterhielten uns lange. Kurz darauf bekam ich die Zusage."

Die ersten Bände von Asterix waren vorher bereits für den Abdruck in einer Comiczeitschrift übersetzt worden. Weshalb hat man Ihnen aufgetragen, alles noch einmal von vorne zu machen?

"Die Übersetzer konnten kein Französisch und hatten auch nicht das Hintergrundwissen über die französische Kultur. Ich kann Ihnen ein Beispiel aus "Asterix und Kleopatra" nennen. Da übersetzten sie damals: "Das ist der Turm der Pharaoneninsel. Er zeigt dem Schiff den Weg." Richtig ist: "Das ist der Turm der Insel Pharos, dessen Leuchtfeuer die Schiffe leitet." Und ein Panel weiter heißt es dann: "Ein Turm, der Schiffen den Weg zeigt? Uii, die Römer sind doof!" Und da haben wir es! Ich habe den letzten Satz mit "Die spinnen, die Römer!" übersetzt, und der ist dann zum geflügelten Wort geworden."

Haben Sie nach Ihrer Ausbildung zur Übersetzerin schon geplant, Comics zu übersetzen?

"Nein, eigentlich sind meine Fachgebiete Wirtschaft und Recht. Ich habe nach der Ausbildung beim Langenscheidt Verlag angefangen. Über einen Kontakt dort bekam ich den Tipp, dass der Ehapa Verlag eine Comic-Übersetzerin suchte."

Was für eine Sprache verwendet man in Comics?

"Ich hatte die Vorschrift, absolut geschliffene und möglichst zeitlose Sprechsprache zu verwenden. Sie finden diese Asterix-Bände heute noch mit denselben Texten, sie wurden nur geringfügig geändert."