Originales "Fix & Foxi"-Artwork. - © Bank Austria Kunstforum
Originales "Fix & Foxi"-Artwork. - © Bank Austria Kunstforum

Wien. Es kommt nicht oft vor, dass Comics in die heiligen Hallen der Hochkultur vorgelassen werden. Zwar sind die Zeichnungen dem "Schmuddelimage" der Nachkriegszeit längst entwachsen, aber Comics an den weißen Wänden, die sonst großen Meistern vorbehalten sind - das kommt auch nicht alle Tage vor.

In Wien ist es nun so weit. Im Tresor des Kunstforums der Bank Austria (Freyung 8) widmet sich eine kleine Schau dem Comicuniversum von Fix & Foxi, das ab 1953 mit Unterbrechungen bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in all seiner Vielfalt Spaß unter seine zahlreichen Leser brachte. Denn die beiden Füchse hatten nach dem Zweiten Weltkrieg eine enorme Popularität. Mit bis zu 400.000 verkauften Heften standen sie um nichts den Micky-Maus-Heften nach, überholte diese sogar.

Dieser Erfolg ist mit einem Namen untrennbar verbunden: Rolf Kauka (1917-2000). Der Verleger und Erfinder der Comic-Reihe zeichnete in der Regel nicht selbst, entwickelte aber mit seinen Zeichnern das Fix & Foxi-Universum zur vollen Blüte. Nicht selten wurde Kauka auch der "deutsche Walt Disney" genannt, weniger vielleicht aus Nationalstolz, sondern weil Kauka seine Verlagsambitionen tatsächlich ein wenig an Walt Disney orientierte. Und auch inhaltlich finden sich zwischen dem Enten- und Fuchskosmos erstaunliche Parallelen, etwa wenn es um die Familienkonstellationen mit Nichten, Neffen, Onkeln und Omas geht, unter Ausblendung der Eltern.

Kauka, der im Weltkrieg als Offizier bei der Artillerie Dienst tat, legte großen Wert auf die völlige moralische Unantastbarkeit seiner Comics: Deutsch, sauber und moralisch einwandfrei agierten die Figuren. Gewalt war verpönt, sollten seine Comics, wie er einmal betonte, doch vor allem Spaß machen sowie die Fantasie der Kinder fördern und zum Nachdenken anregen.

Diese Leitlinien muss man wohl auch aus der Zeit heraus verstehen. Immerhin waren die Fünfziger und Sechziger Jahre keine leichte Zeit für die Comic-Literatur. Galt sie doch in konservativen Kreisen im besten Fall als unnötige Schmuddelei, im weniger guten sogar als gefährliche Verdummungsinstrumente für die deutsche Jugend. Das mag in der Tat wohl auch einem gewissen Anti-Amerikanismus geschuldet sein, denn die meisten der erfolgreichen Helden kamen nun einmal aus den Vereinigten Staaten. Es ist auch Kaukas Verdienst, Comics ganz allgemein von diesem Stallgeruch befreit zu haben - nicht nur für Fix & Foxi mit all ihren Nebenlinien wie dem Wolf Lupo oder etwa Bussi Bär.

Brav und bieder

In der Tat wirken einige der frühen Comics, dessen Originale nun zur Schau gestellt werden, fast bieder und brav. Dafür lässt sich an ihnen die Entwicklung der Figuren nachvollziehen. Waren die Füchse oder Wolf Lupo zu Beginn noch wesentlich realistischer skizziert - haarig mit Spitzer Schnauze und ebensolchen Ohren -, wurden sie später immer mehr verniedlicht und abgeschliffen, bis sie zuletzt praktisch in der reinen Kreisform existierten. Lupo etwa hat kaum etwas mit der Figur zu tun, als die er die Welt erblickte.

Natürlich arbeitete auch Kauka mit Stereotypen. Da wäre etwa die misstrauische Oma Eusebia, die ihr Geld lieber im Sparstrumpf aufbewahrt, als es zur Bank zu bringen - das freilich ist heute ja aktueller denn je -, und es ist kurios, dass Eusebia nun ausgerechnet in den heiligen Hallen einer Bank hängt. Auch der ewig zerstreute Professor Knox, ein genialer Geist und als solcher stets Opfer seiner eignen Erfindungen (und damit eine Kreuzung zwischen Primus von Quack und Daniel Düsentrieb), ist so eine klischeehafte Figur.

Sie alle kann man nun in der zwar recht überschaubaren, aber dafür kostenlosen Schau bewundern. Kuratiert hat sie mit dem Direktor des Karikaturmuseums Krems, Gottfried Gusenbauer, ein Vollprofi des Metiers. Routiniert und übersichtlich gibt sich dann auch die Ausstellung, die erfreulich viele alte Tusch-Originale beinhaltet, aber auch die neueren TV-Umsetzungen nicht verschweigt. Es ist schade, dass die sicher prägenden Kriegsjahre Kaukas als Berufsoffizier der Wehrmacht so gut wie keine Rolle spielen. Möglicherweise erschlösse sich dann, warum eine frühe Asterix-Lizenzproduktion Kaukas aus den Sechzigern die beiden Gallier als stramme Germanen darstellte. Einen Tobsuchtsanfall von Asterix-Texter René Goscinny später war Kauka die Rechte auch schon wieder los.