Fantastilliardär in seltener Kauflaune: Don Rosas exklusive Skizze für die "Wiener Zeitung". Don Rosa
Fantastilliardär in seltener Kauflaune: Don Rosas exklusive Skizze für die "Wiener Zeitung". Don Rosa

Er ist nach Carl Barks der wichtigste Zeichner für das Entenhausen-Universum rund um Donald Duck und Onkel Dagobert. Don Rosa hat dem Fantastilliardär eine Vergangenheit gegeben, in den Geschichten in "Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden". An diesem Wochenende ist Don Rosa zum ersten Mal in Wien bei der "Viennacomix". Dort wird er stundenlang für Fans zeichnen. Comics zeichnet der 64-Jährige aus Kentucky seit einiger Zeit nicht mehr - aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aus Frust über das System, bei dem sich Zeichner von Disney "enteignet" fühlen. Darüber und über mehr sprach er mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": Wann hatten Sie denn den ersten Kontakt mit den Ducks?

Don Rosa: Meine ältere Schwester hortete Comics, und natürlich auch die, die damals am populärsten waren, also Carl Barks’ Donald-Duck-Storys, ich wuchs also buchstäblich seit meiner Geburt damit auf.

Was haben Sie von Carl Barks gelernt?

Seine Art des Geschichten-Erzählens. Er hat nichts verniedlicht, damit es für Kinder passt. Und er hatte diesen zynischen Sinn für Humor, in den 20er Jahren hatte er ja auch für Softcore-Männermagazine gearbeitet.

Wie kamen Sie schließlich zum Comiczeichnen?

Ich hatte nie gedacht, dass ich mit Comiczeichnen mein Geld verdienen würde. Meine Familie hatte eine Baufirma. Bautechnik war meine einzige Ausbildung, die Comics waren immer ein Hobby. In der Zeit, in den 70ern, fielen die Verkaufszahlen für Comics rasant, sie haben sich auch nie wieder erholt. Die Disney Comics waren so gut wie verschwunden. 1986 hat ein Freund von mir die Lizenz bekommen, Disney Comics zu veröffentlichen. Das war ein winziger Verlag, drei Typen in Arizona. Ich rief ihn an und sagte ihm, es sei seit meiner Geburt mein Schicksal, einen Dagobert-Duck-Comic zu machen. Und der kam gut an. Und nach zwei Jahren war ich vom weltkleinsten Disney-Comics-Verleger beim weltgrößten Disney-Comics-Verleger Egmont in Kopenhagen gelandet.

Mit welcher Ente lässt sich am besten eine Geschichte erzählen?

Onkel Dagobert. Ich werde oft gefragt, warum ich Dagobert Donald vorziehe. Aber bei uns in Amerika ist das einfach so. Das liegt nicht am Geld. Übrigens heißen die Disney Comics überall auf der Welt Donald-Duck-Comics, nur hier ist es die "Micky Maus". Eine seltsame Anomalie. Barks hat aus dieser hirnlosen Figur Donald Duck, die hauptsächlich Walnüsse auf Streifenhörnchen werfen konnte, eine Persönlichkeit gemacht. Dagobert war in diesen Comics erst nur Hintergrundfigur, aber als die Verleger merkten, wie beliebt er war, bekam er seine eigenen Abenteuercomics. Und die waren immer von Carl Barks. Donald war da nur ein komödiantischer Sidekick.

Und mit welcher Ente können sie nicht so gut?

Mit Daisy Duck. Sie ist einfach nur eine beleidigende, stereotypische Figur. Barks hat sie auch selten verwendet, er mochte sie auch nicht. Gundel Gaukeley hingegen ist toll, eine weibliche Figur mit Persönlichkeit, Schneid und Intelligenz. Schwer zu zeichnen finde ich Tick, Trick und Track. Die sollen süß aussehen. Als Bautechniker liegt einem Süß-Zeichnen nicht so.

Dagobert Duck ist ja trotz seines, nun ja, übellaunig bewachten Reichtums ein liebenswerter Charakter. Das war nicht immer so...

Verschiedene Zeichner nach Barks hatten ihn zu einem sehr gierigen Charakter gemacht. Mir machte es aber keinen Spaß, mit einem gierigen Charakter zu arbeiten, Gier ist die Wurzel allen Übels und der Republikanischen Partei. Also gab ich ihm einen kleinen Schubs in eine andere Richtung. Er ist sehr wetteifernd, hat einen Sinn fürs Abenteuer. Sein ganzes Geld im Geldspeicher gibt er ja nicht aus, er hat es nicht, um Eigentum oder Macht anzuhäufen, es ist eine Erinnerung an seine Erfolge. Bei mir ist er knausrig, nicht gierig.

In den USA verkaufen sich die Comics nicht gut?

Ja. Für mich war es ein Schock, festzustellen, dass sie sich im Rest der Welt sehr wohl gut verkaufen. Wie ein typischer Amerikaner dachte ich, was es in den USA nicht gibt, kann es woanders auch nicht geben. Tatsächlich sind die Disney Comics immer noch die populärsten Comicbücher auf der ganzen Welt - außer in Nordamerika.

Vor einiger Zeit nahmen die Occupy-Wall-Street-Aktivisten Onkel Dagobert als Negativ-Symbol für das "eine Prozent" her...

Wirklich? Das ergibt gar keinen Sinn, denn die Amerikaner wüssten gar nicht, wer das ist. Die kennen ihn nur aus der Kinderserie "Duck Tales". Ich habe mir ein Schild machen lassen, auf dem steht: "Sorry, keine Duck Tales", das stelle ich bei Comic Veranstaltungen in den USA auf. Es ist wirklich erbärmlich, das ist alles, was Amerikaner über die Comics wissen, die sich in der Welt am besten verkaufen. In Europa habe ich dieses Problem nie.

Sind Comics grundsätzlich in der Krise in den USA?

Comics verkaufen sich bemitleidenswert schlecht. Es gibt zwar Filme über Spiderman und Batman, aber mit den Comics verlieren sie nur Geld. In meiner Kindheit wurden von einem Barks Comic drei Millionen pro Ausgabe verkauft. Heute schafft eine Batman-Nummer 20.000 Stück. Und die meisten davon werden gar nicht gelesen, die Leute geben sie in ein Sackerl, weil sie sie sammeln. In Amerika hast du in einer Stadt oft nur ein einziges Comic-Geschäft.

Seltsam, dass die vielen Comic-Verfilmungen den Verkauf so gar nicht ankurbeln.

Diese Filme wie "Avengers" sind toll fürs Auge, aber ich denke mir immer, was man mit dem Aufwand für epische historische Abenteuerfilme oder ähnliches machen könnte und sie machen diesen Kinderkram, das ist schon enttäuschend. Aber auf der anderen Seite: es sind ziemlich gute Filme, ich mag sie. Ich mag auch, dass sie meistens, neben der hirnlosen Action für die Jugend, kleine Insidergags für die alten Comicleser einbauen. Allerdings: die "Thor"-Filme, die sahen aus wie ein Jack-Kirby-Comic. Und das heißt nicht, dass es gut war. Der Unterschied ist: In den 50er, 60er Jahren wollten die Filmemacher noch gute Filme drehen und mit ihnen Geld verdienen. Heute geht es nur mehr ums Geld verdienen. Sie drehen, wofür auch immer das meiste gezahlt wird, und wenn es noch so dumm ist. Das ist der amerikanische Weg.