Zeichnen war offensichtlich für Sie immer ein Vehikel, um Geschichten zu erzählen. Vor fast zehn Jahren haben Sie eine eigene Comicheft-Reihe gegründet.

Bei Auftragsarbeiten ist man in seiner Kreativität oft sehr eingeschränkt und an Vorgaben der Kunden gebunden. Das "Kriminal Journal", das ich gemeinsam mit meinem Freund Maresch vor mittlerweile zehn Jahren gegründet habe, ist unsere Spielwiese. Hier können wir uns uneingeschränkt austoben und unseren großen Vorbildern Dashiell Hammett, Raymond Chandler und James Ellroy nacheifern.

In der Comicserie "Kriminal Journal" erzählen Sie urwienerische Geschichten, in denen kleine Gauner, Strizzis und abgebrühte Frauen ihr Unwesen treiben. Was interessiert Sie an diesen Antihelden?

Im Grunde ist diese Serie eine Fortführung der Pulps, also der Groschenromane, auf Wienerisch, wobei wir mit großem Vergnügen jedes Macho-Klischee bedienen. Im Mittelpunkt stehen zum Beispiel der ziemlich faschistoide Maskenmann, der Wien vor Verbrechen schützen und von Korruption "heilen" will, oder die Sagenfigur "Der liebe Augustin", der als paranormaler Ermittler im Stile von Hellboy für eine geheime Abteilung des Innenministeriums tätig ist. Ich mag diese Figuren, weil sie sehr offen und direkt sind. Man kriegt, was man sieht. Es hat vielleicht auch etwas mit meinem Alter zu tun, dass mir solche "angesandelten" Figuren näher sind als auf Hochglanz polierte Helden. Irgendwann hat man ja begriffen, dass auch die schillerndsten Charaktere Leichen im Keller verbergen.

Für das "Kriminal Journal" waren zahlreiche Zeichner tätig. Gibt es so viele Comiczeichner in Wien, die auf glanzlose Helden stehen?

Ja, überraschenderweise. Allein in dem Kriminal-Journal-Kochbuch "Essen wie im Häfn" sind 27 Zeichner und Zeichnerinnen mit Comicgeschichten zu einem Kochrezept vertreten. Das Buch zeigt einen guten Querschnitt der Wiener Comicszene, darunter international bekannte Zeichner wie Ronald Putzker, Heinz Wolf, Arnulf Rödler oder Thomas Kriebaum, aber auch viele Zeichner aus der Independentszene wie Thomas Fatzinek, André Breinbauer, Philip Kopera oder Andi Paar. Und für die Sonderausgabe mit historischen Kriminalfällen waren zum Beispiel der Zeichner Philippe Sergent, der Autor Richard K. Breuer oder die Kinderbuchautorin und Illustratorin Sibylle Vogel im Einsatz.

Zuletzt haben Sie den Comic "Blue Jeans" mit Hermes Phettberg als Comicfigur und Autor sehr erfolgreich über eine Crowd- funding-Kampagne finanziert. Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Graphic Novel gekommen?

Im Sommer 2013 kam der Dokumentarfilm über Hermes Phettberg "Der Papst ist kein Jeansboy" von Sobo Swobodnik ins Kino. Hermes hat sich alle Vorstellungen angeschaut und seine Erlebnisse in seinem Online-Tagebuch verarbeitet, das er vielen Menschen per Email geschickt hat. Ich las also seine Texte, und irgendwann erkannte ich dabei einen Rhythmus, ähnlich wie bei den Gedichten von Ernst Jandl. Und das war genau das, was ich nach meinem Artmann-Buch gesucht hatte. Die wirkliche Herausforderung dabei war die Umsetzung von Phettbergs teilweise schwer lesbaren Texten und das Finden eines passenden Zeichenstils. Als ich ein paar Seiten gezeichnet hatte, nahm ich mit Hermes Kontakt auf und zeigte ihm die Arbeit. Er war davon begeistert, und jetzt haben wir ein Buch.

Bei Ihren Illustrationen zu Gedichten von H.C. Artmann und zu den schwer lesbaren Textfragmenten von Phettberg haben Sie sehr unterschiedliche Zeichenstile verwendet.

Die eigentliche Herausforderung beim Comiczeichnen ist ja nicht das Zeichnen selbst, sondern das Geschichtenerzählen und das Finden des passenden Zeichenstils. Bei den Illustrationen zu den Gedichten von Artmann war mir wichtig, einen Strich zu finden, der die Ernsthaftigkeit der Gedichte unterstreicht, aber auch die scheinbare Spontanität und Rohheit seiner Mundartgedichte widerspiegelt. Letztendlich habe ich mich dann zu einem ziemlich realen, aber flotten Strich entschlossen, der die Wirklichkeit scheinbar nur anreißt. Der Artmann-Band war schnell gezeichnet, die Konzeption war bei weitem aufwändiger, weil ich dem Leser ein bestimmtes Timing vorgeben wollte, um die Stimmungen der Gedichte auf ihn wirken zu lassen.

Beim Phettberg hingegen wollte ich dieses Leiden, das immer wieder durchscheint, durch einen Semi-Funny-Stil konterkarieren. Phettberg war nie ein Kabarettist, er ist eine tragische Figur, die uns aber mit seiner absurden Offenheit zum Lachen bringt.

Gibt es in Österreich eine eigenständige Comicszene?

Es gibt eine sehr aktive Comicszene, die aber von der Öffentlichkeit unbeachtet bleibt, da sie sich nicht an den Bedürfnissen des Comicbuchmarktes orientiert. Es gibt unter anderem die "Mixer"- und die "Murmel"-Comics und allen voran den "Tisch14", der sich von einem Stammtisch-Heft zu einem passablen Comicmagazin gemausert hat. Dem Herausgeber Wen-Cheng Chen kann man für sein Engagement gar nicht genug danken. Er hat bereits ein kleines Vermögen in dieses Kunstförderungsprojekt investiert, ohne auch nur einen Cent Unterstützung erhalten zu haben. Oder Teresa Lukas, die mit der Comics-Box unglaubliche Öffentlichkeitsarbeit leistet.