Welchen Stellenwert nimmt das Erzählen von Geschichten in Comicform in der Literatur ein?

Mittlerweile einen ziemlich großen. In Frankreich gibt es zum Beispiel nicht den Unterschied zwischen Comic und Literatur wie bei uns. Jedes Mal, wenn ein neuer Asterix-Band erscheint, schießt er sofort an die Spitze der Bestsellerlisten. Seitdem man auch im deutschsprachigen Raum mit der Etikettierung "Graphic Novel" den Comic in die Regale der Buchhandlungen schummeln konnte, hat sich die Akzeptanz der Leser verändert. Schade ist, dass viele den Comic immer noch als eine bebilderte Geschichte sehen und nicht als eigenständige Literaturform. Niemand setzt sich mit geschlossenen Augen ins Kino, aber beim Comic konzentrieren sich viele immer noch auf den Text und übersehen dabei, dass die Bilder eine ganz wichtige Komponente des Werkes sind. Für einen Comic sollte man sich Zeit nehmen wie für ein Gedicht.

GabrielleSchultz, geboren 1961, ist Sprach- und Literaturwissenschafterin und als Autorin für die Tageszeitung "Die Welt" und als Fachjournalistin für die in Wien erscheinende Zeitschrift "Media Biz" tätig. Sie ist spezialisiert auf Film, Medien und Kunst.