Die talentierte Cousine: Opfer eines Ehrenmords

"Ich würde alles ändern bei den Arabern. Sie müssten mit der Frömmelei aufhören, sich bilden und in die Moderne eintreten . . ." Da scheint die Rolle des Vaters erlösend, doch allzu schnell muss man erkennen, wie ambivalent und höchst widersprüchlich seine Position ist. Seine verworrene Vision einer verordneten Demokratie, die er in einem Durcheinander von pan-arabischen Ideen und größenwahnsinniger Selbsteinschätzung zusammenbastelt, unterscheidet sich letztendlich kaum von jener der herrschenden Diktatoren, von denen er fasziniert ist.

Zu den wenigen positiven Gestalten dagegen gehört Riads Halbcousine Leila, die sich als "Zeichengenie" für seine Zeichnungen interessiert. Sie wird ein halbes Jahr später Opfer eines
Ehrenmordes.

Läuft der Comic nicht Gefahr, ein verkürztes, stereotypes Bild eines arabischen Landes zu zeichnen? "Kinder nehmen die Welt leicht stereotyp war, und deshalb muss der Comic das spiegeln", entgegnet Andreas Platthaus, Comicexperte und Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der das autobiografische Werk auf Deutsch übersetzt hat. Die Schonungslosigkeit des kindlichen Blicks ist es, die diesen kurzweiligen Comic über ein Stück Welt im Nahen Osten zu einer lehrreichen Schule des Verstehens werden lässt.