Obgleich es Comics als Hefte in den USA, Frankreich und auch Japan schon viel früher gab, wurden sie in dieser Form in Österreich und Deutschland erst in den 1950er Jahren so richtig populär. Damals gelang es dem Ehapa-Verlag, eine Lizenz für Micky Maus von Disney zu bekommen, und im September 1951 erschien das erste deutschsprachige Heft. Die Hochphase der Comics hielt bis in die frühen 1980er Jahren an. Viele Jugendliche jener Zeit verschlangen die Hefte mit Begeisterung.

Gerhard Krusche, früher selbst Sammler und beim Wiener Dorotheum unter anderem auch für die Versteigerung seltener Comic-Hefte zuständig, erklärt: "Zum einen gab es kaum Fernseher, keine Handys, keine Computer, gar nichts. Zum anderen waren die Comic-Hefte von erzieherischer Seite verpönt. Es gab zahlreiche Aktionen, wie die Eintauschaktion der Stadt Wien ‚das Schundheft gegen das gute Jugendbuch‘ und ähnliches. Die Kinder hatten wenig Taschengeld, die Hefte waren teuer. Und wenn man dann eines in den Händen hielt, hat man es als seinen Schatz betrachtet." Später, als diese Menschen dann Geld verdienten, begannen sie ihre Sammlungen zu vervollständigen. Die Sammler wollten sich zunächst einfach die Sehnsüchte ihrer Kindheit und Jugend erfüllen, erklärt Krusche die Hintergründe des Comic-Sammelns. Dabei ging es nicht um die Wertanlage, das habe sich erst später entwickelt. Dementsprechend beschreibt Krusche seine Klientel als vorwiegend männlich (unter 20 Sammlern ist höchstens eine Frau) und im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.

Doch das Sammeln von Serien und Heften ist so alt wie diese selbst. Denn bereits in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen die ersten ihre Lieblingsserien zu sammeln. Günther Polland, Comic-Sammler und Comic-Händler sowie von 2009 bis 2015 Herausgeber des Comic-Preiskatalogs erinnert sich: "Es gab in Wien in den 70er und 80er Jahren bis zu 180 Romantauschzentralen, wo man noch einiges finden und entdecken konnte. Die Szene war erst im Entstehen, Sammler und Tauschbörsen mussten sich erst finden. Dabei ging es vornehmlich darum, fehlende Nummern zu ergänzen, der Zustand war meist zweitrangig." In diesen Jahrzehnten hätten sich auch die Sammlerpreise für bestimmte Serien und seltene Hefte vervielfacht, weiß Polland. "Es war die Zeit der Suchlisten, und an den Kiosken gab es noch ein breite Auswahl an echten Comic-Heften."

Diese Zeit ist definitiv vorbei. Der Handel hat sich ins Internet verlagert und Tauschzentralen überflüssig gemacht. Heute sei alles bis ins kleinste Detail recherchiert, die Preise stünden fest oder seien ausgereizt, erzählt Polland. Zwar gäbe es in Wien noch ein paar Spezialgeschäfte, aber die weltweite Konkurrenz des Internet mache das Überleben schwer. Heutige Sammler wenden sich nun eher den immer zahlreicher werdenden Flohmärkten und speziellen Veranstaltungen wie Comic-Börsen und den aus den USA zu uns gekommenen Comic-Cons zu. Für die Sammler sind das ideale Zustände. "Dicke Angebotslisten, volle Regale," fasst Comic-Experte Polland die gegenwärtige Situation zusammen. Das Internet und vor allem die Comic-Börsen sorgen für eine gewisse Verjüngung des Publikums, doch auch für eine Veränderung des Geschmacks. – Mangas werden kaum von über 50-Jährigen gesammelt.

Wie Günther Polland sieht auch Gerhard Krusche die Hochphase des Comic-Sammelns in den 1990er Jahren, zumindest was die dabei erzielten Preise betrifft. Krusche erinnert sich, dass vor etlichen Jahren für das deutschsprachige Supermann (!)-Heft Nr, 1 aus dem Jahr 1950 ca. 13.000 Euro und für das Micky-Maus-Heft Nummer Eins vom September 1951 etwa 9000 Euro bezahlt worden seien. Solche Preise würden heute nicht mehr erreicht, ist der Dorotheum-Experte überzeugt, "weil die Fantasie der Preissteigerung wegfällt und dann niemand mehr so richtig investieren will."
Andererseits ist sich Krusche bewusst, dass der Comic-Markt sehr von Launen bestimmt ist. Man könne nicht sagen, dass ein Heft dieses Jahr 1000 Euro wert sei, nächstes Jahr 1200 Euro und übernächstes Jahr 1500 Euro. Krusche: "Das Heft ist genau das wert, was das Sammler in dem Augenblick zu zahlen bereit ist." Egal, was die Händler sagen. Das kann jedoch im nächsten Jahr schon wieder ganz anders sein. Deswegen betrachtet Krusche den Comic-Preiskatalog eher kritisch. "Der Marktpreiskatalog wird von Händlern gemacht und stimmt meiner Meinung nach mit der Realität nur bedingt überein. Es gibt viele Hefte mit einem Marktpreis, den niemand bezahlt."

Der ehemalige Herausgeber des Comic-Preiskatalogs, Günther Polland, sieht das naturgemäß etwas anders und verweist darauf, dass im Katalog pro Comic drei Preise angegeben werden, je nachdem in welchem Zustand sich das Heft befindet. So liegt der Wert für besagtes Micky-Maus-Heft Nummer 1 im Katalog aus dem Jahr 2015, je nach Zustand, zwischen 1500 und 20.000 Euro, wobei sich der zweite Preis auf ein quasi druckfrisches Heft höchster Güte bezieht. Auch die Beschreibung des Zustands der Hefte ist weitgehend definiert. Der Comic-Preiskatalog führt Zustände von 0 bis 4 an, wobei Zustand 1 ein sehr gut erhaltenes Heft beschreibt, die Zustände 0-1 und 0 beschreiben Aufschläge für sehr gut erhaltene und seltene Hefte aus den 60er und 70er Jahren. Gerhard Krusche jedoch hält wenig vom Zustand 0: "Zuerst gab es die Zustände 1, 2, 3 und 4, später kam der Zustand 0 hinzu, um weiter verfeinern zu können. Für mich ist aber der Zustand 1 die beste Qualität. Das ist praktisch ein druckfrisches Heft, direkt aus der Druckerpresse, das nur einmal derjenige in der Hand gehalten hat, der das Heft aus der Presse genommen hat. Früher wurde das mit Zustand 0 bezeichnet." Doch auch der Comic-Preiskatalog führt nur Preise pro Heft für die Zustände 1, 2 und 3 an, wobei auch hier auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage als Preisregulativ hingewiesen wird. Zur feineren Differenzierung gibt es überdies Zwischenstufen wie 1-2 oder 3-4, manchmal auch 1minus und dergleichen mehr.

All das hier Gesagte bezieht sich ausschließlich auf deutschsprachige Comics, denn fremdsprachige Comics spielen hierzulande überhaupt keine Rolle, wie die Comic-Experten Krusche und Polland bestätigen. Wer sich für französischsprachige Comics interessiert, muss sich auf dem französischen oder internationalen Markt umsehen, rät Krusche. Auch die Amerikaner haben ihren eigenen Markt. Gerhard Krusche hat dort immer wieder von Fantasiepreisen gehört, die schwer zu glauben sind. So sind für ein Action Comic Nummer 1 aus dem Jahr 1938 (dieses enthält die erste Superman-Geschichte) jenseits von 2 Millionen Euro bezahlt worden. Die Käufer blieben anonym. Andererseits gebe es in Amerika tatsächlich Millionäre jenseits unserer Vorstellung, so Krusche, von denen einer irgendwann einmal ein Comic ersteigert. "Aber das hat nichts mit dem normalen Sammlermarkt zu tun", sieht Krusche diese Preise als Ausnahme-Erscheinungen.

Blickt man über den österreichischen und deutschen Markt hinaus, zeigt sich ein anderes Bild. In der "Comicnation" Frankreich haben die Bandes Dessinées einen höheren Stellenwert als bei uns. Seit 1971, als der französische Journalist und Schriftsteller Francis Lacassin den Begriff prägte, wird die Gattung der Comics dort auch als "neunte Kunst" bezeichnet. So genießen die bekannteren Comic-Zeichner hohes Ansehen, das mit jenem von anerkannten Malern vergleichbar ist. Dementsprechend werden in der Kunstszene nicht mehr ganze Hefte gehandelt, sondern originale Einzelzeichnungen – ein Trend, der auch bei uns im Kommen ist. Die erzielten Preise sind beeindruckend: Einzelseiten von Asterix-Zeichner Uderzo erzielten bei Versteigerungen im Frühling 2016 niedrige sechsstellige Summen, preislich ähnlich liegen auch die Belgier André Franquin ("Spirou") und E.P. Jacobs ("Blake & Mortimer").

Apropos Belgier: Viele der bekanntesten französischsprachigen Comic-Zeichner stammen nicht aus Frankreich, sondern aus Belgien, und der größte von ihnen ist Hergé, der Zeichner von "Tim & Struppi", beziehungsweise von "Tintin", wie Tim auf französisch heißt. 2014 wurde eine Tuschezeichnung von Hergé für das Vorsatzpapier von Tim und Struppi aus dem Jahr 1937 bei dem Pariser Auktionshaus Artcurial für die Rekordsumme von 2,27 Millionen Euro (2,6 Millionen inklusive aller Zusatzkosten) versteigert. Im Jahr darauf erzielte dasselbe Auktionshaus mit 1,06 Millionen Euro die zweithöchste Summe bei einer Versteigerung eines Bildes eines Comic-Zeichners. Es war wieder Hergé, diesmal mit einer Tuschezeichnung aus dem Jahr 1936 für "Der blaue Lotus".

Bei Einzelzeichnungen reichen auch die sonst gefragten US-Zeichner nicht an Hergé heran. Eine Tuschezeichnung für "Batman: The Dark Knight Returns" aus dem Jahr 1986 von Zeichner Frank Miller erzielte 2013 bei einer Versteigerung in Texas umgerechnet 360.102 Euro. Allerdings ist dieses Werk nicht so alt wie die Zeichnungen des 1983 verstorbenen Hergé. Zudem lebt Miller noch, im Jänner 2017 wird er 60 Jahre alt.