Dieser Gustav Gans also trachtet auch danach, Donald die Liebschaft abspenstig zu machen. Und in diesem Wettstreit ist er meist im Vorteil, immerhin hat er im Unterschied zu Donald so eine Art Schuhe an, und auch sonst ist ihm das Glück holder. Denn dass Daisy viel Wert auf Äußerlichkeiten legt, ist seit ihrem ersten Auftritt im Carl-Barks-Universum bekannt. Da schwärmt sie für einen Bodybuilder, dem Donald in weiterer Folge nacheifert. Nicht ohne zuvor ausgiebig mit der Ungerechtigkeit der ästhetischen Bevorzugung zu hadern: "Diese Bewunderung für starke Männer ist widerlich! Sogar beschämend! Als wenn es keine geistigen Güter gäbe! Aber was Frauen wünschen, ist jedenfalls Muskelschmalz." In einer anderen Geschichte will Donald Daisy mit einem Geschenk besänftigen, was er oft machen muss, allerdings nie mit dem erhofften Happy End. In diesem Fall leidet der geschenkte Pelzschal an akutem Haarausfall. Beide Geschichten enden, man ahnt es, mit Handgreiflichkeiten.

Kesse Prüderie

Daisys größtes Problem ist, dass sie nicht als Identifikationsfigur taugt. Während viele hobbytobsüchtige Entenfans bei Donald die unterentwickelte Impulskontrolle als verbindende Gemeinsamkeit schätzen, finden sie es bei Daisy nervig, dass sie wegen Nichtigkeiten explodiert. Das hat aber weniger mit latentem Sexismus in und um Entenhausen zu tun, sondern mehr mit der gar klischeehaften, oberflächlichen Gestaltung von Daisy. Sie ist jenes Mitglied des Entenclans, von dem man wahrscheinlich die wenigsten Hintergründe kennt. Ihr Frauenbild ist das der 40er, 50er Jahre. Ihr Beruf zum Beispiel ist schleierhaft und wohl nicht vorhanden, meist organisiert sie irgendwelche wohltätige Damenkränzchen, die Donald dann mit schöner Regelmäßigkeit ramponiert.

Sie ist gerade so kess und aufreizend, wie ihre Prüderie erlaubt. Sie kann zuckersüß sein, wenn sie etwas will, und gewaltig sauer, wenn es nicht nach ihrer Façon geht. In manchen Geschichten tritt sie sogar als militante Männerhasserin auf - kein feministisches Aufbäumen, sondern nur beleidigte Reaktion auf lächerliches Ungemach. Sie verfügt über trefflich wenig Selbstreflexion: "Was, Furie? Wenn man deinen Unsinn hört, muss einem ja der Kragen platzen! *Klatsch*" Und wenn alles nicht mehr hilft, fällt sie zu Fleiß in Ohnmacht. Sie ist eine zeternde Zicke, die dauernd Schmuck und Pelze verlangt und die einen Mann sucht, der nicht Gefährte ist, sondern Handwerker. Dass sie da ausgerechnet an den stümperhaften Donald geraten musste, dafür ist sie letztlich auch wieder zu bemitleiden.

Selbst die Schöpfer und Gestalter der kratzbürstigen Entendame können nicht wirklich mit ihr. Der Entenzeichner Don Rosa, ein ausgewiesener Kenner der Materie, hat im Interview mit der "Wiener Zeitung" gesagt, dass er Daisy am wenigsten mag: "Sie ist einfach nur eine beleidigende, stereotypische Figur. Barks hat sie auch selten verwendet, er mochte sie auch nicht." In der Tat soll der große Carl Barks sie gern als Erbsenhirn bezeichnet haben. Dabei hat er Daisy immerhin erfunden und hätte es in der Hand gehabt, aus ihr mehr als eine keifende, pinke Ententussi in Pumps zu machen.

Achtung: Handtasche!