Das heißt, sie präferieren einen Comic wie beispielweise "Maus. A Survivor’s Tale" gegenüber einem bemüht realistischen Film?

Ja, ganz klar. Wichtig ist, dass die Bilder vom Holocaust in den Köpfen entstehen. Man sollte vom Versuch, den Holocaust realistisch darstellen zu wollen, möglichst Abstand nehmen und künstlerische Ansätze forcieren.

Kann es passieren, dass wenn die Darstellung zu künstlerisch wird, man sich vom Kern der Sache entfernt?

Es stellt sich die Frage, ob man sich dem Kern des Holocausts überhaupt annähern kann – vor allem in einem Alter von 14 – 15 Jahren.

Auch wenn solche ursprünglich als trivial angesehenen Medien wie Comics mittlerweile in Ordnung gehen, um den Holocaust zu behandeln – So manches scheint dennoch inkompatibel mit dem Holocaust zu sein: Humor etwa. Wird sich das auch noch ändern?

Humor ist und war eine wichtige Ressource für das Widerständische. Prinzipiell ist es entscheidend, welche Art von Humor gebraucht wird. Ein zynischer Herrenmenschen- oder Galgenhumor ist aber natürlich gänzlich fehl am Platz und das sollte auch so bleiben.

Wenn ich ein konkretes Beispiel nennen darf: Bei der Sendung "Willkommen Österreich" fiel vor ein paar Jahren der "Witz": "Wären die Juden mit den ÖBB gefahren, wären sie noch heute nicht in Auschwitz."

Das ist an der Grenze. Hier wird der Holocaust für eine Spitze gegen die ÖBB missbraucht. Doch was bei diesem Beispiel wichtig ist: Dahinter steht weniger die Absicht, den Holocaust zu verharmlosen oder gar zu leugnen. Hier veranschaulicht sich außerdem die Tendenz der letzten Jahre, den Holocaust als eine Chiffre für Verfolgungen, für Ungerechtigkeiten, für Völkermord zu verwenden – egal ob in der Satire oder in der Kritik. Das birgt die Gefahr des Missbrauchs. Prinzipiell sollte Humor aber gestattet sein. Er soll auch ruhig schockieren, denn gerade dann kann er auch produktiv sein.