Tatsächlich produzierte Disney die Comics nie selbst. Es waren immer freischaffende Autoren und Zeichner, die mit Disney-Lizenz für unabhängige Verlage arbeiteten. Carl Barks selbst etwa für Dell Comics in Amerika, Don Rosa für Egmont Ehapa in Deutschland. Als Entlohnung stand ihnen eine Flatrate vom publizierenden Verlag zu. Von Disney selbst bekamen sie in der Folge keinen Cent, obwohl der Konzern die Figuren weltweit extrem erfolgreich vermarkten konnte.

"Archaisches System!", so nennt das Don Rosa. "Unfassbar, dass man so im 21. Jahrhundert noch arbeiten muss." Er fühlte sich in diesem System wie ein "riesiger Trottel", bekam Depressionen und schwor Stein und Bein, nichts mehr zu liefern. Weiteres Arbeiten verunmöglichten ihm aber auch seine "verflucht schlechten Augen", er konnte sie ab 2006 nicht mehr parallel ausrichten. 2008 erlitt er außerdem eine Netzhautablösung.

"The Rosa Nature Preserve" ist nun sein Rückzugsort auf einem zehn Hektar großen Grundstück ungefähr 25 Meilen außerhalb von Louisville. Rosa pflegt dort seine riesigen Sammlungen nicht nur ganzer Comic-Reihen. Was diese angeht, ist er ein großer Fan der New Yorker EC Comics, die in den 40er und 50er Jahren "Tales From The Crypt" publizierten. Etliche dieser sogenannten "Shock SuspenStories" wurden damals zensiert, der größte Erfolg dieses Verlages waren die "MAD"-Hefte, die in den 80er Jahren auch in Österreich einen kurzen Hype erlebten, mit der Figur des Alfred E. Neumann. Erstausgaben seiner eigenen Geschichten, die er in Amerika vor allem für Gladstone zeichnete, hängen verschweißt und fein säuberlich geordnet in Büroablagesystemen. Wenn es heute irgendwo Nachdrucke seiner Geschichten gibt, kümmert er sich - falls möglich - um perfekte Kolorierung oder schiebt Lautmalereien ("ROAR!") an die richtige Stelle im Panel.

Ein großer Sammler

Unglaublich dimensioniert ist auch seine Entenfigurensammlung. Die erste hat er sich im Jahr 1975 gekauft, es war ein Donald-Duck-Kopf in Form einer Spardose. Sein Atelier, in dem er früher gezeichnet hat, ist voll von diesen Figuren. Ebenso sammelt er T-Shirts. In seinem Keller stehen die Flipperautomaten, die er seit den 1970er Jahren sammelt. Jener aus der Reihe "Twilight Zone" wird als bester Flipper aller Zeiten gehandelt - Rosa musste ihn natürlich unbedingt haben. Mit einem seiner Oldtimer besucht er einmal wöchentlich in Louisville eine Fastfood-Kette namens White Castle, die, so Rosa, die Papierhüte für das Personal erfunden hätte. Selbstverständlich sammelt er auch diese, neben Coca-Cola-Kronkorken und anderen sehr wichtigen Sachen.

Wer ein solch extravagantes Leben führt, der schläft natürlich auch extravagant. Sein erster Schlafzyklus erstreckt sich von 20 Uhr bis 2 Uhr morgens, dann schreibt er E-Mails, anschließend schaut er sich in seinem Studio vor seinem riesigen Flachbildschirm einen Film an. Um 4 Uhr nimmt er einen "Mitternachtssnack" zu sich, dann geht er in seine Bibliothek und liest eine Stunde. Gegen halb sechs legt er sich noch einmal schlafen, um 8 Uhr steht er auf. Zum Frühstück und auch sonst überlegt er sich manchmal, was mit seinen Schätzen einmal geschehen soll. Ein Museum etwa? Einer der größten Comiczeichner aller Zeiten, der nie für Kinder zeichnete, sondern für Fans, hat selbst keine Erben. Seine Verdienste um Dagobert Duck aber werden ewig währen.