Über seine Herkunft ließ Eric seine Frau im Unklaren. Jude? Nein, katholisch. Als Erics Vater starb, sei er vier Jahre alt gewesen und habe den Namen seiner Mutter bekommen, sie sei eine "von Peters" gewesen. Sie weiß auch um seine Ängstlichkeit. Er war schon ausgezogen, als er ihr sagte, es gäbe unter dem Haus, wo er nun wohnt, einen Fluss, das mache ihn nervös und er könne nicht schlafen. "Ich habe ihn dann nicht mehr gesehen."

Auf die Mittteilung, dass sein Urnengrab am Wiener Zentralfriedhof schon aufgelassen sei, fragt sie besorgt zurück: "Hat sich niemand darum gekümmert?"

Zurück zur Kunst. In einer Mappe, zwischen jedem Blatt ein Seidenpapier, wie es sich gehört, verwahrt Lilly Phillips nur wenige Comic-Seiten. Entwürfe in diesem Zeichenfach verschwinden in der Postproduktion und Druckerei. "Das ist der Job: Wenn man fertig ist, gibt man sie ab." Viele Comics, auch aus der gemeinsamen Zeit, sind in Fan-Editionen nachgedruckt und auch im Netz deponiert.

"Familienporträts"

Auf sechs Blättern in Passepartouts ist die Signatur "Lily Renée Peters" zu erkennen - das "Peters" freilich wurde nachträglich abgedeckt. Rückgewinnung von Selbstwertgefühl nach der Scheidung? Lilly nennt die Serie "Familienporträts" und erklärt sie in einem Atemzug als Art Nouveau und American Gothic. Glasklar gezeichnet, doch keine Schönbilder, wahrscheinlich um 1950. Die Wissenschafter-Familie im Elfenbeinturm. Die Durchschnittsamerikaner nur am Sport interessiert. "Der Vater spielt Golf. Die werden nicht erwachsen, sondern bleiben Kinder", erklärt sie. Nur den von ihr gezeichneten "Intellektuellen" soll man ansehen, dass sie was Neues suchen.

Gibt es im figurativen Zeichnen einen "amerikanischen Stil"? Europa und die USA entwickelten sich in den zwanziger, dreißiger Jahren in der Mode weit auseinander. Die Modeblätter aus den vierziger, fünfziger Jahren zeigen eine Sachlichkeit ohne Pathos, verliebt in die Geometrie klarer Linien bis hin zum Pakt mit dem Kurvenlineal. Lily Renées Parade von bunten "Girls auf der Fifth Avenue" könnte von Tomi Ungerer sein, eine endlose, weil rundumlaufende Seilartistenszene von Saul Steinberg.

Lilly und Randolph Phillips bekamen zwei Kinder, Nina und Richard. Inzwischen hat sie vier Enkel und ist Urgroßmutter. 1977 stattete sie noch ein Erfolgsbuch von Margaret Sperry mit Cover und Illustrationen aus dem Leben der Insekten aus: "The Battle of the Bees". Zwei Kinderbücher, die sie selber schrieb und bebilderte, blieben ungedruckt. Sie schrieb auch mehrere Theatersketches und erzählt von einem grotesken Plot, in welchem Hitler ein Alptraum plagt und eine Sekretärin Watte in den Ohren hat und nicht hören kann, was er sagt.

Was sie "eine schreckliche Zeit" nennt, hat sie in New York nicht verlassen. Trotzdem will sie noch einmal zurück auf Besuch nach Wien. Seit 1966 sei sie nicht mehr dort gewesen. Hier lebt ihre Enkelin Joey mit Mann und Baby. Hier würde sie auch gerne Zeichnungen ausstellen oder sich an einer Comic-Book-Schau beteiligen. Am liebsten im Mai, wenn das Klima Lieblichkeit verspricht.

Ohne Begleitung traut sie sich die Reise allerdings nicht mehr zu. Doch im Moment, da sie von ihrer Schwäche spricht, wechselt sie sofort das Thema. Wien war das Stichwort. Ihr passt nicht, dass man Gustav Klimt so viele uneheliche Kinder nachsagt. Er sei doch ein besorgter Vater gewesen, der so tief getrauert habe, als ihm ein Kind starb. Es wird ihr Wort zum Abschied: "Klimt zeichnete die Frauen nicht, wie ein Mann, sondern wie eine Frau sie sieht. Ich weiß das, weil ich mich selber mit der Frau identifizierte, wenn ich eine zeichnete."