Weil es diese Unterschiede in allen europäischen Ländern gibt, können sie nicht das Nord-Süd-Gefälle erklären. Wieso sind Jugendarbeitslosenzahlen in Österreich, der Tschechischen Republik, Deutschland und den Niederlanden im Vergleich zu Spanien, Griechenland und Italien gering - auch in den Jahren nach der Finanzkrise? Einer der größten Unterschiede ist das duale Ausbildungssystem: In Österreich und Deutschland findet die Berufsausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule statt. Dadurch erhalten Jugendliche eine theoretisch fundierte, aber auch praxisbezogene Ausbildung.

Das duale Ausbildungssystem fehlt in Ländern wie Spanien, Griechenland und Italien. In Spanien und Italien, wo die Jugendarbeitslosenzahlen nach der Finanzkrise 2008 drastisch gestiegen sind, erhalten Jugendliche ihre Berufsausbildung hauptsächlich in Berufsschulen. Die Folge: weniger Praxisbezug und weniger Kontakte in die Arbeitswelt als im dualen Ausbildungssystem. Zudem wird in Spanien besonders die Qualität der angebotenen Stellen bemängelt. Für Berufseinsteiger gibt es meist nur befristete Verträge oder Teilzeitstellen. In Italien gibt es zusätzlich große regionale Unterschiede in der Ausbildung. Das erschwert die Flexibilität und Mobilität der Jugendlichen im Berufsleben.

Lösungsansätze auf EU-Ebene

Auf EU-Ebene gibt es verschiedene Lösungsansätze, um Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Als Antwort auf die hohen Jugendarbeitslosenzahlen 2012 und 2013 wurde die sogenannte Jugendgarantie ins Leben gerufen, die jedem Jobsuchenden unter 25 Jahren spätestens nach vier Monaten Arbeitslosigkeit entweder eine hochwertige Arbeitsstelle, eine weiterführende Ausbildung oder eine hochwertige Ausbildungsstelle verspricht.

Während die Europäische Kommission den Erfolg der Initiative betont, mit der seit 2014 rund 1,7 Millionen Jugendliche Unterstützung erhielten, übt der Europäische Rechnungshof Kritik daran. Das mit 6,4 Milliarden unterstützte Projekt habe die Erwartungen nicht erfüllt. Der Grund dafür liege in fehlenden "Strategien mit klaren Zielsetzungen".

Heinz K. Becker, ÖVP-Sozialsprecher im Europaparlament, meint deshalb: "Trotz beachtlicher Erfolge müssen EU und nationale Regierungen die Mittel aber noch mehr als bisher gewissenhaft, effektiv und zielgerichtet einsetzen."

Eine langfristige Möglichkeit zur Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa bietet laut der Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung das Lernen von dem Modell, das zu funktionieren scheint: dem dualen Ausbildungssystem. Immer wieder sind europäische Delegationen in den Hallen von Jugend am Werk zu Besuch. Die Studie warnt jedoch davor zu glauben, das duale Arbeitsmarktsystem könne eins zu eins übernommen werden. "Dafür bedarf es tiefgreifender Veränderungen der schulischen, gesellschaftlichen und Arbeitsmarktökonomischen Rahmenbedingungen." Vielmehr solle man das System je nach Land adaptieren.

Kurzfristig könnte das Ungleichgewicht innerhalb der EU durch erhöhte Mobilität verringert werden, so die Studie. Dazu müsse aber der Rahmen für Austauschprogramme besser werden: strukturierte Integration im Arbeitsmarkt, schulische Einbindung, gesellschaftliche Integration und Möglichkeiten zum Spracherwerb im Zielland. Programme wie Erasmus, die hauptsächlich auf den Hochschulen abzielen, müssten auf die Berufsausbildung ausgeweitet werden.