Knapp 95 Prozent der heimischen Windräder stehen im östlichen Flachland, in Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark. Nun will Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) auch auf den alpinen Raum in Salzburg, Tirol und Vorarlberg setzen. "Das westliche Landschaftsbild verträgt Windräder", sagt sie. Denn dort, wo Gipfelkreuze in die Höhe ragen, gibt es die besten Bedingungen für die Erzeugung dieser Erneuerbaren Energiequelle.

"Wir brauchen dringend neue Standorte, um unsere Klimaziele zu erreichen", sagt sie. Auch die Abhängigkeit von russischem Gas könne damit verringert werden. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", sagt sie.

Sie präsentiert einen 3-Punkte-Plan. Damit sollen die Anlagen schnell aufgebaut werden und die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien wie auch Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie vorangetrieben werden.

Keine Widmungen mehr nötig

So sollen künftig keine Widmungen mehr nötig sein, um Anlagen für alle Erneuerbaren Energiequellen zu errichten. "In einigen Bundesländern gibt es keine ausgewiesenen Flächen für den Ausbau", sagt Gewessler. Viele Projekte verzögerten sich oder konnten gar nicht umgesetzt werden.

Weiters sollen doppelbödige Verfahren ebenso der Vergangenheit angehören. "Es reicht künftig, wenn das Landschaftsbild nur einmal geprüft wird", sagt Gewessler.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Drittens soll die Energiewende als "Besonderes öffentliches Interesse" gesetzlich festgeschrieben werden.

Rückendeckung erhält die Energieministerin von Wolfgang Anzengruber, ehemals Verbund-Chef. Zu den teuren Energiepreisen sagt er: "Der Preisschub kommt ausschließlich von fossiler Seite." Ein Ausbau von Wind, Sonne, Wasser senkt daher auch die Energiepreise. Er ist zuversichtlich: "Für den Ausbau haben wir alles, was wir brauchen: Gescheite Leute, die Erfahrung, die Energiequellen, die finanziellen Mittel." Auch er betont: "Was wir nicht haben, ist Zeit."

Derzeit dauert die Genehmigung von Windkraftanlagen durchschnittlich fünf bis acht Jahre, rechnet Stefan Moidl vor. Der Geschäftsführer der IG Windkraft fordert daher mehr Anreize für die Raumplanung und mehr Personal für Genehmigungsbehörden.

Er betont die Vorteile von Windkraft: "Strom aus Windkraft wird vor allem im Winter produziert, genau dann, wenn die heimische Versorgungslücke entsteht, die jedes Mal mit Gas-Strom aufgefüllt wurde", sagt er.

Auch Moidl spricht sich dafür aus, Windräder in alpinen Gegenden zu bauen. "In der Steiermark stehen bereits 100 Windräder über 1200 Metern", sagt er. "Das funktioniert tadellos."

Für die Umsetzung des 3-Punkte-Plans braucht Gewessler noch die Zustimmung des Regierungspartners ÖVP.