Unternehmen geben sich gerne nachhaltig, um in der Öffentlichkeit besser dazustehen oder höhere Preise für ihre Produkte verlangen zu können. In der Europäischen Union (EU) soll Greenwashing nun ein Riegel vorgeschoben werden: Große Unternehmen müssen künftig über die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten informieren. Sie werden sich genau mit den von ihnen veröffentlichten Zahlen auseinandersetzen müssen, denn bei der verpflichtenden Überprüfung muss alles, was im Bericht steht, belegbar sein.

Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments haben sich am späten Dienstagabend auf die neuen Berichtspflichten geeinigt, die ab dem Jahr 2024 für die Firmen gelten sollen. Das teilten das Parlament und der französische Vorsitz der EU-Staaten mit. Beide Seiten müssen die Einigung noch formell bestätigen.

Prüfung von
unabhängiger Seite

Konkret sollen die neuen Regeln für große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten und einem Umsatz von mindestens 40 Millionen Euro gelten. Sie müssten über ihre Auswirkungen unter anderem auf Umwelt, Menschenrechte und Sozialstandards berichten. Diese Daten sollen von unabhängiger Seite geprüft und zertifiziert werden. Unternehmen von außerhalb der EU mit einem Jahresumsatz von mindestens 150 Millionen Euro müssten gleichwertige Vorschriften einhalten.

In Österreich gilt seit dem Jahr 2017 eine Pflicht für große Firmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Beschäftigten, über nichtfinanzielle Aspekte zu berichten. Bisher waren davon rund 90 Unternehmen betroffen. Künftig werden Nachhaltigkeitsberichte für rund 2.000 Firmen verpflichtend. In der EU wird der Kreis von rund 11.000 auf rund 49.000 Firmen wachsen.

"Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung werden gleichberechtigt sein, und die Anleger werden endlich Zugang zu zuverlässigen, transparenten und vergleichbaren Daten haben", hieß es. Für kleinere und mittlere Unternehmen sollen in einer Übergangszeit bis zum Jahr 2028 nach Angaben des Rats der EU-Staaten Ausnahmen möglich sein.

Die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler beklagte dennoch, die Einigung sei für den deutschen Mittelstand unbefriedigend. Dass an der Börse notierte kleine und mittlere Unternehmen "zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet werden sollen, kann die betroffenen Unternehmen vor riesige Herausforderungen stellen", teilte Niebler mit. "Sie müssen ihre Prozesse umstellen, zusätzliches Personal einstellen und die Einhaltung von Vorgaben streng kontrollieren." Das alles koste viel Zeit und Geld, kritisierte sie.

Einigung auf Reform
des Emissionshandels

Unterdessen hat sich das Europaparlament nach dem Abstimmungsdebakel vor zwei Wochen am Mittwoch doch auf eine Position zu umstrittenen Punkten des Klimapakets verständigt. Die Einigung sieht vor, dass die kostenlose Vergabe von CO2-Zertifikaten zwischen 2027 und 2032 komplett auslaufen soll. Auch soll der Emissionshandel (ETS) auf Gebäude und Verkehr ausgeweitet werden. Beim Emissionshandel müssen bestimmte Industrien für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 zahlen.

Vor zwei Wochen war eine Einigung überraschend missglückt. Nachdem das Vorhaben damals wegen verschiedener Änderungsanträge vielen Abgeordneten nicht mehr genug Klimaschutz enthielt, war es abgelehnt worden. Vergangene Woche verständigten sich wiederum christdemokratische, liberale und sozialdemokratische EU-Abgeordnete auf den neuen Kompromiss zu wichtigen Klimaschutzgesetzen.

Das Parlament sprach sich zudem dafür aus, einen Klimasozialfonds und eine Art CO2-Zoll an den EU-Außengrenzen einzurichten. Durch den Klimasozialfonds sollen die Verbraucher entlastet werden, da durch mehr Klimaschutz auch höhere Kosten erwartet werden. Mit dem CO2-Zoll soll verhindert werden, dass günstigere Produkte, die aber klimaschädlicher im Ausland hergestellt wurden, zum Problem für EU-Unternehmen werden. Die Vorhaben müssen noch mit den EU-Ländern abgestimmt werden.(red.)