Hersteller von Wärmepumpen und Brauchwasser-Wärmepumpen bekommen den Druck zu spüren, der aufgrund der Teuerungen und der Inflation auf den Haushalten lastet - im positiven Sinne: Die Nachfrage steigt. Der Wärmepumpenhersteller Austria Email aus dem steirischen Knittelfeld beispielsweise verkaufte im ersten Halbjahr 50 Prozent mehr Brauchwasserwärmepumpen als im gleichen Zeitraum 2021. Bei Heizwärmepumpen habe sich die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt, sagt Austria Email-Vorstand Martin Hagleitner.

Die Warmwasser-Wärmepumpe entzieht der Umgebungsluft die nötige Energie, um Wasser zu erwärmen, und benötigt nur einen kleinen Teil elektrische Hilfsenergie. Im Betrieb mit Öko-Strom aus Photovoltaik (PV) arbeitet die Wärmepumpe sogar klimaneutral, so das Unternehmen. Die Investitionskosten für einen Haushalt - exklusive Förderung - beläuft sich auf 3.500 Euro. Für den mehrgeschossigen Wohnbau entwickelte Austria Email den Elektrowarmwasserbereiter Eco Grid, mit dem auch eine lokale PV-Anlage eingebunden werden kann, und zwar ganz ohne Verkabelungsaufwand gegenüber herkömmlichen PV-Systemen. Bei dieser Anlage wird Wasser dann erhitzt und gespeichert, wenn es den günstigsten Strom gibt.

Mit diesem Angebot sieht das Unternehmen die Möglichkeit, mit wenig Investitionsaufwand Kosten einzusparen und das Klima zu schützen - auch in Hinblick auf das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz (EWG).

Das noch nicht beschlossene Gesetz sieht den Ausstieg aus Ölheizungen bis 2035 und aus Gasheizungen bis 2040 vor. Manfred Denk, Bundesinnungsmeister der Installateure, spricht von einer "Überhitzung" der Nachfrage. "Wir als Branche sehen den Zeitplan, der im Erneuerbaren-Wärme-Gesetz vorgesehen ist, als Prognose. In diesem Zeitraum ist die Umrüstung machbar."

Umstieg ist schaffbar

Er warnt jedoch davor, dass alle Haushalte ihre Gasheizung sofort austauschen. Denn einerseits sei das in Wohnungen und Häusern mit beispielsweise einer energiesparenden Gas-Brennwert-Therme nicht sofort notwendig, andererseits verweist er auf den steigenden Strombedarf, der durch Wärmepumpen entstehen, "vor allem in der Heizsaison, wo es wenige Stunden pro Tag Photovoltaik-Strom gibt", so Denk. Dann würden erst recht fossile Brennstoffe wie etwa Kohle und Gas, sowie Atomenergie zum Einsatz kommen, nämlich in der Stromerzeugung. "Man wird darüber nachdenken müssen, vor allem im urbanen Raum, auf grünes Gas zu setzen und nicht überall Wärmepumpen zu installieren. Die Leitungen dafür gibt es", sagt Denk. Wenn man alle Möglichkeiten in Betracht ziehe, auch jene des Energiesparens zu Hause, werde der im EWG angegebene Zeitplan zu schaffen sein. Das EwG sieht den Betrieb von Gasthermen, die mit grünem Gas betrieben werden, auch über 2040 hinaus sogar vor. Umweltorganisationen wie Global 2000 und WWF kritisierten das in der Vergangenheit als "völlig widersinnig" und forderten eine komplette Stilllegung fossiler Heizsysteme.

Auch Martin Hagleitner von Austria Email spricht sich für eine Umrüstung mit Bedacht aus. "Wenn jemand eine moderne Brennwerttherme hat, hat er genügend Zeit für eine Umstellung. Die Gebrauchwasser-Wärmepumpe ist ein Zwischenschritt, die Abhängigkeit von Gas zu reduzieren. Es wird unterschätzt, dass den größten Energieverbrauch in Haushalten Warmwasser und Heizen ausmachen", sagt Hagleitner. Branchenvertreter, wie etwa Thomas Mader, Österreich-Geschäftsführer des Wärmepumpenherstellers Stiebel Eltron, verwiesen auf einen kurzfristigen Bedarf von 10.000 Energieplanern und Installateuren, wenn es darum geht, die Wärmewende so schnell wie möglich umzusetzen.

Etwa 6.400 Installateursbetriebe gibt es in Österreich, davon etwa 1300 in Wien. Seit kurzem steigt auch das Interesse an der Lehre zum Installateur, sagt Denk.

Wer die Umrüstung auf Wärmepumpen forciert ist übrigens Deutschland. Ab 2024 sollen bei den deutschen Nachbarn 500.000 Wärmepumpen jährlich neu installiert werden - vergleichen mit 150.000, die bisher jährlich installiert wurden. Entsprechend stieg auch die Nachfrage bei Austria Email: von einem niedrigen Niveau aus immerhin um 200 Prozent.