Graz. Mit einem Besucherrekord ist am Sonntag die erste Diagonale unter der neuen Intendanz von Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger zu Ende gegangen: 30.200 Besucher konnte das Festival heuer zählen und damit 3000 mehr als im Vorjahr. "Die Fußstapfen waren groß. Wir freuen uns, dass die Diagonale noch mehr Leute für österreichisches Kino begeistern konnte und dass die roten Fäden, die wir durch das Programm gespannt hatten, aufgenommen und diskutiert wurden", ließ das neue Führungsduo verlauten, dessen Vertrag vorerst bis 2019 läuft.

Höglinger und Schernhuber haben ihre Sache gut gemacht und dem Festival einen jugendlichen Anstrich gegeben, ohne es in seinen Grundfesten zu verändern. Auch die ausgewählten Filme entsprachen dabei einer Diagonale-Tradition, wonach man den Bogen zwischen Werkschau und Innovation spannt.

Die Jury vergab ihren Großen Diagonale-Spielfilmpreis an Ruth Beckermanns "Die Geträumten", in dem die zwei Schauspieler Anja Plaschg und Laurence Rupp im Wiener Funkhaus einander jene Briefe vortragen, die sich das kurzzeitige Liebespaar Ingeborg Bachmann und Paul Celan dereinst schrieben. Beckermann hantiert hier mit einer überaus sparsamen Inszenierung; sie dokumentiert hier eher einen Prozess, bei dem die Schauspieler langsam in die rezitierten Texte "hineinwachsen".

Beckermann gewann bereits 2014 den Großen Diagonale-Preis, damals für den Dokumentarfilm "Those Who Go Those Who Stay", und ist damit die einzige Künstlerin, die beide Hauptpreise der Diagonale gewonnen hat.

Als bester Dokumentarfilm wurde Sigmund Steiners Langfilmdebüt "Holz Erde Fleisch" prämiert. Der Regisseur porträtiert darin den Alltag dreier Bauern zwischen Schafschlachtung und Holzfällen. Steiner, selbst Sohn eines Bauern, geht darin auf die Spurensuche nach den Motiven, weshalb jemand sein Leben der Bewirtschaftung der Natur widmet. Ihm, der den eigenen Hof nicht übernehmen wollte, gelingen in diesem stillen, schönen Film wunderbare Einblicke in die Lebenswelten von Landwirten und in ihre Auseinandersetzung mit der Generationenfrage.

Alle Preisträger sowie weitere Beiträge über die Diagonale finden Sie unter www.wienerzeitung.at/diagonale