Graz/Wien. Im Spezialprogramm "1000 Takte Film" präsentiert die Diagonale in diesem Jahr Beispiele für den Einfluss der Pop-Kultur auf den österreichischen Film und umgekehrt. Dazu gehört eine Performance-Ausstellung ebenso wie Kurz- und Experimentalfilme, Musikvideos sowie Langfilme für TV- und Kino an der Schnittstelle zwischen Austropop und heimischem Filmschaffen.

Zu sehen sind einige Schätze aus den Archiven. Im lange vergessenen "Fehlschuss" von 1976 mimt Wolfgang Ambros in seiner einzigen Kinohauptrolle einen klassischen Antihelden. Ambros spielt darin den jungen, sensiblen Fabriksarbeiter Jakob, der von einer Fußballerkarriere träumt und der sich dabei im rauen Wiener Vorstadtmilieu schwertut.

Niki List und Hansi Lang dürfen nicht fehlen

Gleich zwei weitere Alt-Perlen handeln von Österreichs Kurt-Cobain-Vorläufer Hansi Lang: Das einstündige ORF-Porträt "Ich spiele Leben" und der Spielfilm "Ich oder du" (beide von 1984). In "Coconuts" von Franz Novotny versuchte sich 1985 sich neben Hanno Pöschl, Olivia Pascal und Mario Adorf auch Rainhard Fendrich als Schauspieler Am Anfang seiner Karriere als Austropop-Barde der zweiten Generation. Novotny konzipierte "Coconuts" laut Katalogtext als Versuch Blockbuster-Kino US-amerikanischen Zuschnitts auf spezifisch österreichische Art zu kreieren.

Nicht fehlen darf natürlich auch ein Werk des 2009 verstorbenen Kultkino-Regisseurs Niki List. Mit dem 1982 entstandenen Streifen"Malaria" ist der Vorgänger des noch erfolgreicheren "Müller's Büro" auf der Diagonale wiederzusehen. List setzte - ähnlich wie die legendäre "Kottan"-Serie von Helmut Zenker und Peter Patzak davor - auf eine unwiderstehliche Mischung aus skurril-absurdem Humor und gezieltem Einsatz von Popmusik.

Fokus liegt auf den 70er und 89er Jahre

Während die meisten Filme des "1000 Takte"-Spezialprogramms aus den 1970er und 1980er Jahren stammen, begleitet die 1993 entstandene Doku "The Bands" von Egon Humer österreichische Popgruppen dieser Zeit, fernab des damals unter Altersschwäche leidenden, klassischen Austropops. Cold World, Bask, Fetish 69 und andere vorwiegend auf Englisch singende Protagonisten der musikalischen Subkultur im Österreich der 1990er-Jahre.

Die performative Ausstellung "Johnny Silver - Superposition" im Studio der Neuen Galerie widmet sich der Kunstfigur Johnny Silver, hinter der der aus der Steiermark stammende Schauspieler und, Diagonale 2012-Preisträger Johannes Silberschneider steckt.