In diesem Umfeld musste Joseph Gordon-Levitt seine Figur mit Leben füllen und dies mit Methoden tun, die er bisher so nicht kennengelernt hat. "Patrick hat uns 20, 30, ja fallweise sogar 40 Minuten am Stück vor laufender Kamera ohne Schnitt gefilmt. Immer wieder mussten wir neue Szenen spielen, immer wieder neu anfangen oder Variationen ausprobieren. Das war für mich sehr wichtig, um in die Rolle und vor allem um in die Situation dieser Flugzeugentführung zu finden", sagt Joseph Gordon-Levitt.

"7500", der Anfang 2020 in den Kinos anlaufen wird, bezieht seinen Titel aus dem Umstand, dass man diesen Code zur Erde funkt, wenn man als Pilot von einer Entführung betroffen ist. "Ich wollte den Film so realistisch wie möglich drehen", gibt Regisseur Vollrath zu Protokoll. "Und deshalb habe ich Unmengen an Berichten von Flugzeugentführungen gelesen. Mir war bald klar, dass das Schildern der Vorgänge im Cockpit der spannendste Weg war, so eine Entführung zu erzählen." Und, ganz nebenbei, auch die kostengünstigste - schließlich braucht es keine großartigen Effekte, sondern nur jede Menge Psychologie. Das bedeutet aber auch, viel Arbeit ins Drehbuch zu investieren, damit alle Wendepunkte sitzen.

"Es gibt auch von Hitchcock einige Filme, die an nur einem Ort spielen, etwa ‚Lifeboat‘ oder auch ‚Rope‘", sagt Gordon-Levitt im Interview. "Und Patrick hat diese Hitchcock-Tradition mit großer Sorgfalt fortgeführt. Die Kamera verlässt das Cockpit nie, auch, wenn draußen wichtige Dinge passieren. Das erzeugt eine Art von Klaustrophobie und macht den Film so packend."

Natürlich dient das Setting Vollrath auch als Metapher für den Zustand der Welt: "Wir sitzen alle in einem Boot, und es scheint kein Entkommen zu geben", sagt er. Dennoch ist "7500" zuallererst als Thriller gedacht, der unterhalten soll. "Ich bin mit Mainstream-Kino aufgewachsen", sagt Vollrath. "Und bis heute ist mein Lieblingsfilm ‚Titanic‘." Dass das kein Widerspruch zum Arthaus-Kino sein muss, ist dem Haneke-Schüler Vollrath bewusst: "Ich strebe nach Wahrhaftigkeit im Kino, das ist es auch, was ich von Haneke gelernt habe". Hätte Vollrath die Kompromisslosigkeit seines Lehrers allerdings völlig verinnerlicht, so müsste er alles dem Wahrhaftigkeitsgedanken unterordnen. "Dann hätten wir den Film in einem wirklich fliegenden Flugzeug drehen müssen. Das wäre dann doch eine Nummer zu groß gewesen."