Trotzdem hat Armin Mueller-Stahl für sich eine Methode gefunden, mit der Welt ins Reine zu kommen. Er nennt das Glück, und es ist ein flüchtiges Gefühl. "Glück ist kein Dauerzustand, sondern besteht nur aus Momenten. Ein Glücksmoment ist zum Beispiel, jetzt hier zu sitzen, auf diesen tollen grünen Garten zu schauen und von dieser hübschen Fotografin fotografiert zu werden", lacht er.

Fassbinders Vater

Armin Mueller-Stahl blickt gern zurück auf seine lange Karriere; er lobt Fassbinder, weil der den stärksten Einfluss auf ihn gehabt hat: "Wir beide waren nicht wie Brüder, sondern eher wie Vater und Sohn, und ich war der Vater." Auch an seine Zeit in Amerika denkt er gern: "Ich habe mit knapp 60 dort meine dritte Karriere begonnen, ohne ein Wort Englisch zu beherrschen. Ich spreche heute noch miserabel Englisch. Das hat damit zu tun, dass ich in Amerika immer nur Ausländer gespielt habe, die gebrochenes Englisch sprachen, entweder jiddisch gefärbt oder russisch." Er imitiert einige seiner Filmdialoge, sichtlich mit Freude.

Dennoch hat er mit dem Film abgeschlossen: "Das Filmedrehen ist in meinem Fall ein Auslaufmodell. Das habe ich übermäßig lange getan, es hat mein Leben dominiert. Ich drehe nicht mehr, obwohl gerade ein Angebot auf meinem Tisch liegt, eine Auschwitz-Geschichte. Aber ich habe abgesagt. Die amerikanischen Produzenten versuchten mich zu locken und verdoppelten meine Gage. Geld interessiert mich schon, aber nicht so, dass ich plötzlich meine Contenance verliere." Sind Schauspieler überbezahlt? "100-prozentig, wenn Sie die Stars ansehen. Zehn oder 20 Millionen für einen Film zu bekommen, das ist doch idiotisch."

Die Freiheit der Malerei

Armin Mueller-Stahl widmet sich nun lieber seinen anderen Talenten, die bisher "immer außen vor blieben: Bei der Malerei bin ich endlich die Fesseln des Films
los. Beim Film ist man abhängig, vom Drehbuch, vom Partner, vom Wetter, vom Regisseur, vom Kameramann. Die Malerei ist der einzige Moment, wo ich wirklich fliege. Ich bin frei. Gelingt es mir nicht, übermale ich es. Das genieße ich." Mueller-Stahl sagt auch noch, die Malerei fiele ihm leicht. "Ich dachte immer, was mir leicht fällt, ist nichts wert, eine These, die natürlich verkehrt ist. Das Zeichnen fällt mir wirklich sehr leicht. Schauspielerei ist viel komplizierter."

Hat Armin Mueller-Stahl im Alter also doch seine wahre Berufung gefunden? "Ja, das hoffe ich sehr", sagt er ruhig. "Es wurde ja auch Zeit."